Schwerin/Rostock (dpa/mv). Die maritime Wirtschaft hat Stürme durchlebt und einen massiven personellen Aderlass verkraften müssen. Allen Krisen zum Trotz zählt die Branche in MV aber weiter zu den tragenden Wirtschaftssäulen.

Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern sehen die maritime Industrie trotz mehrfacher Werftenpleiten und großen Konkurrenzdrucks aus Fernost weiterhin als Branche mit hoher Bedeutung für die heimische Wirtschaft. „Sie hat eine lange Tradition und, was besonders zuversichtlich stimmt, auch großes technologisches Zukunftspotenzial. Die ausgerufene Zeitenwende und auch die Energiewende sind zwei wichtige Säulen, den Standort maritimes Nordostdeutschland dauerhaft und resilient gegen Krisen zu festigen“, teilte der Präsident der Schweriner IHK, Matthias Belke, am Mittwoch mit. Er forderte von der Politik eine zukunftsorientierte Industrie- und Standortpolitik mit weniger bürokratischen Belastungen als bisher.

Schiffbau, Schiffsreparatur und Zulieferungen seien ein industrieller Kern Mecklenburg-Vorpommerns und unverzichtbar für das Gelingen der Energiewende, betonte Lars Greitsch, Geschäftsführer der Mecklenburger Metallguss GmbH und Vorsitzender des maritimen IHK-Ausschusses. Er verwies auf eine IHK-Umfrage, der zufolge vor der Corona-Pandemie mehr als 37 500 Beschäftigte in über 2000 Betrieben mit Bezug zur maritimen Wirtschaft einen Jahresumsatz von etwa 6,6 Milliarden Euro erzielten.

Im Zuge der Pandemie war allerdings die Kreuzfahrtbranche stark eingebrochen - mit der Folge, dass auch die MV Werften Insolvenz anmelden mussten. Größtenteils hoffen sie darauf, mithilfe von Rüstungsaufträgen und Arbeiten für Windparks auf See den Neustart zu schaffen. Wirtschaft und Politik arbeiten nach Angaben von IHKs und Wirtschaftsministerium derzeit an einem Zukunftskonzept für die maritime Wirtschaft in MV.

Die oppositionelle CDU richtete klare Forderungen an die Bundesregierung und die rot-rote Koalition in Schwerin: „Wenn die Ampel-Regierung in Berlin nicht schleunigst umsteuert, wird die mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie verbundene Wertschöpfung weitgehend außerhalb Deutschlands stattfinden. Damit würden gerade Mecklenburg-Vorpommern viele hoch qualifizierte und gut bezahlte Industriearbeitsplätze und nicht zuletzt höhere Steuereinnahmen entgehen“, warnte der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Peters nach einem Treffen mit Vertretern des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik. An die Landesregierung appellierte er, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Neptun-Werft in Rostock gemeinsam mit dem belgischen Unternehmen Smulders dauerhaft Offshore-Konverterplattformen bauen kann.