Schwerin (dpa/mv). Woche für Woche gehen auch im Norden Menschen für die Demokratie auf die Straße. Insbesondere in kleineren Orten sei das oft mutig, meint Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt und mahnt Unterstützung an.

Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat die Christen im Norden dazu aufgerufen, die derzeit laufenden Kundgebungen für Demokratie und Menschenwürde und gegen Rassismus weiterhin aktiv zu unterstützen. „Alle Menschen sind gleichermaßen Gottes Geschöpfe. Ihnen allen kommen gleiche Würde und gleiche Rechte zu. Christlicher Glaube lässt deshalb für Rechtsextremismus und Rassismus, für Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz“, betonte Kühnbaum-Schmidt in einer am Mittwoch in Schwerin verbreiteten Mitteilung.

Bereits Ende Januar hatte die Landesbischöfin bei einer Kundgebung in Schwerin den großen Zuspruch bei den Demonstrationen als ermutigendes Zeichen gewertet und den Wert einer freien, offenen und vielfältigen Gesellschaft hervorgehoben. Der Schutz der Demokratie erfordere, rechtsextremen Bewegungen, faschistischen Ideologien und völkischem Gedankengut entschieden entgegenzutreten. Wer von „Remigration“ fasele und Vertreibungsfantasien salonfähig machen wolle, bekomme ein entschiedenes „Nein, nie wieder!“ zu hören, sagte Kühnbaum-Schmidt. Sie reagierte damit auf Veröffentlichungen über ein Treffen radikal rechter Kreise in Potsdam, bei dem Recherchen zufolge unter anderem darüber gesprochen wurde, Menschen ausländischer Herkunft in großer Zahl aus Deutschland auszuweisen.

Für den 2. März kündigte die Landesbischöfin ihre Teilnahme an einer Kundgebung in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) an. Wichtig sei, gerade jetzt aktiv für Demokratie einzustehen. „Wohin es führt, wenn die Menschenwürde und -rechte verachtende Diktaturen an die Macht streben und ihnen kein Einhalt geboten wird, wurde in der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus schmerzhaft und mit fürchterlichen Folgen deutlich. Und wir sehen es gegenwärtig in der Verfolgung und Ermordung von Oppositionellen, die demokratische Rechte und Meinungsfreiheit einfordern, in Russland, und dessen brutalen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, erklärte Kühnbaum-Schmidt.

Sie äußerte ihren besonderen Respekt für Menschen, die auch in Orten auf die Straße gingen, in denen sie sich rechtsextremen Gegendemonstranten gegenübersähen und zum Teil auch bedroht fühlten. Insbesondere den Verteidigern der Demokratie in kleineren Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns gelte es, den Rücken zu stärken. „Gerade in unserer Ost und West verbindenden Nordkirche könnte das Engagement für Demokratie und Menschenwürde ein Anlass sein, frühere Ost-West-Partnerschaften neu zu beleben und sich beispielsweise durch Besuche an Kundgebungstagen im Engagement für Demokratie gegenseitig zu unterstützen“, sagte Kühnbaum-Schmidt. „Zeigen Sie allen, die sich für Demokratie engagieren, dass sie nicht alleinstehen“, appellierte die Landesbischöfin.