Schwerin (dpa/mv). Die Bauwirtschaft lief jahrelang auf hohen Touren. Steigende Zinsen, Unsicherheit und höhere Lebenshaltungskosten bremsen die Branche jedoch. Das bekommen auch die Sparkassen zu spüren.

Die rückläufige Investitionsbereitschaft der Wirtschaft ist 2023 auch an den Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern nicht spurlos vorübergegangen. Wie der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV), dem auch die acht Sparkassen im Nordosten angehören, am Dienstag mitteilte, wurden für Unternehmen und Selbstständige Kredite im Umfang von 758 Millionen Euro bewilligt. Das waren knapp 25 Prozent weniger als 2022. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Baukrediten aus: Die Summe der Neubewilligungen lag knapp 39 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der leicht steigende Trend zum Jahresende hin habe allerdings die Hoffnung genährt, dass die Talsohle erreicht sei, sagte OSV-Geschäftsführer Wolfgang Zender. Demnach lag das Kreditneugeschäft 2023 mit insgesamt 1,5 Milliarden-Euro um 30,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Gesamtsumme der von den MV-Sparkassen vergebenen Kundenkredite wuchs um 543 Millionen auf 12,5 Milliarden Euro.

Die Spareinlagen sanken infolge eines veränderten Kundenverhaltens um 582 Millionen auf 18,5 Milliarden Euro. Während klassische Einlagen und Spargelder weniger wurden, verzehnfachten sich die Termingelder auf 750 Millionen Euro. „Bezieht man das rege Netto-Wertpapiergeschäft mit in die Betrachtung ein, wurde 2023 der leichte Rückgang der bilanzwirksamen Kundengelder mehr als ausgeglichen“, sagte Zender.

Im wirtschaftlich schwierigen Umfeld könnten die Sparkassen in MV auf ein gutes Geschäftsjahr 2023 zurückblicken, betonte er. Bei einer nahezu konstanten Bilanzsumme von 21,7 Milliarden Euro werde mit einem Betriebsergebnis von 312,4 Millionen Euro gerechnet. Die Sparkassen im Nordosten würden voraussichtlich 96 Millionen Euro an Steuern abführen und damit fast doppelt so viele wie 2022. Das erwartete Jahresergebnis wurde mit 57 Millionen Euro angegeben. Für die Förderung von Sport, Kultur, Jugend, Sozialem, Umweltschutz und Forschung seien im Vorjahr 7,3 Millionen Euro bereitgestellt worden.

Zum OSV gehören die Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen die Kreditinstitute in 151 Filialen etwa 2600 Mitarbeiter.