Ahrenshoop (dpa/mv). Der Uferweg an der Steilküste bei Ahrenshoop ist bei Touristen sehr beliebt. Weil die Ostsee sich immer mehr Land holt, muss er immer wieder verlegt werden. Jetzt rutschte ein Bunker vom Steilufer.

An der Steilküste zwischen den Ostseebädern Ahrenshoop und Wustrow (Landkreis Vorpommern-Rügen) ist ein ehemaliger Überwachungsbunker der DDR-Streitkräfte abgerutscht. Wie der Ahrenshooper Bürgermeister Benjamin Heinke (CDU) am Montag sagte, gab der Hang am Wochenende dem Gewicht des massiven Betonbauwerks nach. „Wir hatten schon seit Längerem damit gerechnet und den gefährdeten Küstenabschnitt abgesperrt. Der anhaltende Regen der letzten Wochen hat den Vorgang nun wohl beschleunigt“, erklärte Heinke.

Er erneuerte den Aufruf, die Warnhinweise ernst zu nehmen, sich von der Abbruchkante fern zu halten und den Strandabschnitt auf der Mitte der gut drei Kilometer langen Steilküste nicht zu betreten. Schon seit Langem sind dort Spaziergänge am Strand untersagt. Bei Niedrigwasser sind aber dennoch immer wieder Touristen an der Stelle unterwegs. „Es besteht Lebensgefahr“, warnte der Bürgermeister und kündigte Gespräche mit den zuständigen Behörden zum weiteren Vorgehen an. „Auf einer Ämterkonferenz werden wir uns dazu verständigen“, sagte er.

Nach Angaben Heinkes ist der nun abgerutschte Bunker Teil einer größeren Anlage, die die Nationale Volksarmee Ende der 1950er Jahre errichten ließ, um das Geschehen auf der Ostsee zu überwachen. Das etwa 15 Meter hohe Kliff an der Westküste der Halbinsel Fischland/Darß/Zingst bot topografisch dafür beste Voraussetzungen. Infolge der natürlichen Küstenerosion wurde die nach 1990 mit Sand gefüllte Anlage im Laufe der Zeit unterspült.

Einige Teile der Bunkeranlage waren bereits vor Jahren ins Meer gestürzt. Dort trotzen sie nun den Wellen. Der Uferweg ist bei Touristen sehr beliebt, musste aus Sicherheitsgründen an mehreren Stellen aber bereits verlegt werden. Eine Treppe, die zum Strand hinabführte, war schon vor Längerem entfernt worden.

Heinke geht zunächst davon aus, dass auch der nun in Bewegung geratene Teil des Bunkers seinem Schicksal überlassen bleibt. Für eine Zerlegung der dicken Betonwände und einen Abtransport fehle der Kommune ohnehin das Geld. Nach den Worten des Bürgermeisters könnten die Betonblöcke dazu beitragen, die Kraft der Wellen zu verringern und die Unterspülung des Kliffs zu bremsen.

Direkt vor Ahrenshoop war ein künstlicher Steinwall errichtet worden, um dort das Ufer und die in der Nähe stehenden Gebäude zu schützen. Die Ostsee-Sturmflut im Oktober vorigen Jahres hatte am sogenannten Weststrand des Darß massive Schäden angerichtet.

Anfang Februar hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Ostseebesucher zu besonderer Vorsicht ermahnt. „Bedingt durch vermehrt auftretende Sturmhochwasser und ergiebige Niederschläge müssen wir im Winterhalbjahr permanent mit Abbrüchen rechnen. Die Böden sind feucht und aufgeweicht, da kann es schnell zu Bewegungen kommen“, begründete er seinen Aufruf, sich von Steilufern fernzuhalten. Auch an Dünen könnten sich Kliffkanten von bis zu sieben Metern Höhe bilden, wie sich bei der Sturmflut vom 20./21. Oktober gezeigt habe.