Stralsund (dpa/mv). Aus Protest wollte ein Schäfer Hunderte Schafe durch Stralsund treiben, durfte das aber nicht. Für Aufsehen sorgte aber auch ein Umsetzen der Herde vor der Stadt. Bauern zeigten sich solidarisch.

Trotz des weitgehenden Verbots einer großen Schäferprotestaktion in Stralsund ist es zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Der Schäfer Ingo Stoll trieb am Freitag rund 400 Schafe bei Stralsund über eine Bundesstraße zu einer anderen Koppel. Anschließend ging es wieder zurück. Ursprünglich wollte er die Schafe als Protestaktion durch Stralsund treiben. Der Landkreis hatte dies unter anderem mit Verweis auf den Tierschutz untersagt.

Stattdessen ist Stoll laut Landkreis angeboten worden, mit drei angeleinten Schafen in die Stadt zu kommen. Am Freitagvormittag waren auch Bauern mit Traktoren nach Lüssow gekommen, um den Schäfer zu unterstützen. Auch die Polizei war im Ort. Aufgehaltene Autofahrer nahmen es gelassen und zeigten Unterstützung.

Stoll hütet nach eigener Aussage seit mehr als 45 Jahren Schafe und ist im Vorstand des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes sowie Sprecher der Abteilung Berufsschäfer, der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände.

Nach Aussage des 64-Jährigen, der eigentlich in Rente gehen will, verhindert die Agrarpolitik, dass er einen Nachfolger findet, der die Herde übernimmt. Angesichts sinkender Fördermittel bekämen Interessenten nicht ausreichend Kredit von Banken. Die Schäferei lebe zum großen Teil von Fördermitteln. Wenn er im kommenden Jahr keinen Nachfolger finde, „dann werden 2025 diese Schafe alle zum Schlachten gehen. Schafe, die eigentlich noch neun, zehn Jahre leben könnten und diese Landschaft pflegen könnten“.

Schäfer arbeiteten unter den aktuellen Bedingungen für weit weniger als den Mindestlohn. „Das heißt, das müssen schon alles Enthusiasten sein.“ Deutlich kritisiert er auch die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der Schäfer beim Thema Wolf. Die bereitstehenden Mittel reichten nicht aus. Er habe beispielsweise 40 Hektar Land eingezäunt. Das habe ihn über 60 000 Euro gekostet. „Jetzt ist das null Euro wert“. Grund seien später in Kraft getretene Richtlinien, nach denen der Zaun 20 Zentimeter zu niedrig sei. „Da geht einem irgendwo die Galle hoch.“

Für Aufsehen hatte Stoll schon 2021 gesorgt, als er aus Protest tote Schafe in der Stralsunder Innenstadt brachte, die nach seiner Aussage einem Wolf zum Opfer gefallen waren.

Schon die ganze Woche haben Bauern in ganz Deutschland unter anderem mit Blockaden und Traktor-Konvois gegen die Agrarpolitik demonstriert.

Weil die Umweidung der Schafe nach Angaben der Polizei doch als Versammlung durchgeführt wurde, wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Die Polizei verwies in einer Mitteilung darauf, dass Stoll einen Rundkurs absolviert habe. Außerdem hätten ihn Fahrzeuge mit politischen Botschaften begleitet. Als die Polizei die Versammlungsteilnehmer identifizieren wollte, habe sich ein Mann widersetzt. Gegen ihn werde ermittelt. Zudem habe das Veterinäramt Mängel hinsichtlich des Tierwohls bei den Schafen festgestellt, was eine Ordnungswidrigkeitenanzeige bedeute.