Güstrow (dpa/mv). Etwa 30 Jahre lang wirkte der Bildhauer Ernst Barlach, Schöpfer des „Schwebenden“ oder des „Geistkämpfers“, in Güstrow. Wie an kaum einem anderen Ort wird sein Schaffen dort sicht- und erlebbar - nach einer Umgestaltung der Ausstellung auch wieder im Atelierhaus am Heidberg.

Das Atelierhaus am Güstrower Heidberg, letzte Wirkungsstätte des Bildhauers und Grafikers Ernst Barlach (1870-1938), empfängt nach längeren Sanierungsarbeiten wieder Besucher. Am Samstagnachmittag wurde die neugestaltete und dabei auch räumlich erweiterte Dauerausstellung zunächst etwa 100 geladenen Gästen präsentiert. Von Sonntag an ist sie wieder für den Publikumsverkehr geöffnet.

Zuvor war die Ausstellung für letzte Umbauten für mehrere Monate komplett geschlossen gewesen. Bei der Neugestaltung hatte die Ernst-Barlach-Stiftung nach eigenen Angaben eng mit der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar zusammengearbeitet.

Die Ausstellungsfläche sei auf etwa 260 Quadratmeter ausgeweitet worden und erstrecke sich nun über das gesamte Erdgeschoss, erklärte die Sprecherin der Barlach-Stiftung, Christin Sobeck. Neben bekannten Skulpturen des expressionistischen Künstlers bekämen die Besucher auch private Gegenstände zu sehen, den Reisepass etwa oder Werkzeug, mit dem Barlach in Güstrow arbeitete. Auch einige seiner frühen Arbeiten, die der Künstler selbst später eher kritisch sah, würden gezeigt. Als Beispiele nannte Sobeck Jugendstil-Vasen und -Figuren. Die Zahl der Exponate in der Dauerausstellung habe sich von zuvor 50 auf 70 erhöht.

„Die Ausstellung ermöglicht uns, das expressionistische Schaffen Barlachs noch einmal ganz neu zu betrachten und ihm neu zu begegnen. Das Wiedersehen des vertrauten Atelierhaus Barlachs ist eine große Freude“, erklärte Kulturstaatssekretärin Susanne Bowen. Das Gebäude war in den Jahren 1930/1931 errichtet und von Barlach bis zu seinem Tod als Arbeitsort genutzt worden. Viele seiner berühmten Werke entstanden dort. Seit 1978 wird das Atelierhaus museal genutzt. Das Land, der Landkreis Rostock und die Stadt Güstrow unterstützten den Erhalt von Barlachs Erbe finanziell, sagte Bowen. Zudem hätten der Bund sowie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der OSPA-Stiftung und der Herrmann-Reemtsma-Stiftung zum Gelingen der neuen Ausstellung beigetragen.

Die Museen in Güstrow, zu denen neben dem Atelierhaus am Heidberg auch die Gertrudenkapelle in der Innenstadt gehört, bewahren nach eigenen Angaben den weltweit größten Nachlass des Künstlers mit Arbeiten aus allen Schaffensperioden. Das Atelierhaus war seit 2019 in mehreren Bauphasen saniert und dafür mehrfach geschlossen worden. Die Neueröffnung wird von einem Festprogramm begleitet, das laut Stiftung Führungen, Musik und Workshops umfasst. Die Barlach-Museen locken alljährlich Tausende Kunstliebhaber an. Im Jahr 2022 wurden nach Angaben der Stiftung rund 17 000 Besucher gezählt. In den Jahren vor der Corona-Pandemie seien es jährlich mehr als 20.000 gewesen.