Arbeitsmarkt

Zuwanderung treibt Beschäftigung an: Das soll so bleiben

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Eine Frau steht in einem Bürogebäude.

Eine Frau steht in einem Bürogebäude.

Foto: Annette Riedl/dpa/Illustration

Die gute Beschäftigungslage in Mecklenburg-Vorpommern hat das Land überwiegend dem Zuzug von Menschen aus dem Ausland zu verdanken. Um den Fachkräftemangel im Land dauerhaft zu lindern, muss sich dies dem Wirtschaftsminister zufolge fortsetzen.

Schwerin (dpa/mv). Die hohe Beschäftigung in Mecklenburg-Vorpommern ist laut der Agentur für Arbeit mehrheitlich auf den Zuzug von Arbeitskräften zurückzuführen. Der Beschäftigungsaufbau im vergangenen Jahr habe sich rein rechnerisch aus 800 Deutschen und 5800 Menschen aus dem Ausland generiert, sagte der Chef der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Markus Biercher, am Dienstag in Schwerin. Mit 590 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wurde im September 2022 ein Allzeithoch bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erreicht.

Laut dem Statistischen Amt des Landes lag die Zahl der Erwerbstätigen - zu denen auch Selbstständige gehören - mit 762 300 Menschen im Jahr 2022 insgesamt sogar höher als 2019 - vor der Corona-Pandemie. Für den Zuwachs an Arbeitsplätzen sorgte den Erhebungen zufolge allein der Dienstleistungsbereich, in dem 5900 neue Jobs entstanden. Im produzierenden Gewerbe hingegen fielen im Nordosten im Gegensatz zum leicht positiven Bundestrend weitere 800 Stellen weg.

Trotz der guten Zahlen: Noch reicht die Zuwanderung laut Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) jedoch nicht aus. Er schätze als grobe Hausnummer, dass allein ein Zuzug von rund 5000 Fachkräften pro Jahr nötig ist, um das aktuelle Wohlstandsniveau im Land zu halten. Biercher zufolge ist hierfür vor allem die hohe Zahl an älteren Beschäftigten verantwortlich, 17,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind seinen Worten nach über 60 Jahre alt: „Aufgrund der in Rente gehenden Babyboomer-Jahrgänge sind die betrieblichen Ersatzbedarfe in den kommenden Jahren beträchtlich“.

Statt Zuwanderung auf ein höheres Renteneintrittsalter oder eine längere Wochenarbeitszeit zu setzen, hält der Minister für den falschen Weg: „Ich halte wenig davon, wenn man als Erstes darüber nachdenkt, die Arbeitsbedingungen für die Arbeitskräfte und Fachkräfte, die man hat, zu verschärfen und damit auch einen Teil der Arbeit unattraktiver zu machen.“ Für die Zukunft sei es entscheidend, um jede Fachkraft zu werben.

Meyer hält es jedoch auch für notwendig, weiter zu denken als nur bis zur Fachkräfte-Anwerbung: „Das Entscheidende ist, darüber nachzudenken, was passiert, wenn sie da sind.“ Willkommenskultur, Wohnraum und Betreuung nannte der Minister beispielhaft für die Voraussetzungen, die es zu schaffen gelte, damit die Menschen sich im Land wohlfühlen und auch bleiben wollen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund mahnte, Langzeitarbeitslose im Blick zu behalten: Deren Zahl liege weiterhin über dem Niveau der Zeit vor der Pandemie. „Angesichts des vielfach beklagten Fachkräftemangels ist das völlig unverständlich“, sagte Laura Pooth, Vorsitzende des DGB Nord. Zudem sollten Arbeitgeber sich um attraktivere Arbeitsbedingungen bemühen, um unter anderem die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu verbessern.

Für die mittelfristige Entwicklung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sind Minister und Behördenchef optimistisch. „Sollte sich die Auftragslage der Unternehmen weiter stabilisieren, rechne ich beispielsweise aufgrund des Fachkräftebedarfes der Unternehmen mit einer soliden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auch in diesem Jahr“, so Meyer. Biercher rechnet wegen des hohen Arbeits- und Fachkräftebedarfs mit einem fortgesetzten Beschäftigungszuwachs. Die Zahl der Arbeitslosen werde voraussichtlich in diesem Jahr auf dem Niveau des Jahres 2022 bleiben.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Jobsuchenden - trotz der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine in die Grundsicherung - im Vergleich zu 2021 gesunken. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit lag um insgesamt 2800 Personen niedriger bei 49 000 Menschen, so Biercher. Die Arbeitslosenquote rangierte entsprechend im Mittel mit 7,3 Prozent 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahr und damit fast auf dem Vor-Corona-Niveau von 7,1 Prozent.

( © dpa-infocom, dpa:230124-99-336714/4 (dpa) )