Geschichte

Orientexpress in Gadebusch: Schlafwagen für Touristen

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Das Orientexpress-Wappen am 1941 gebauten Schlafwagen aus dem legendären Zug ist nach dem Übersetzen auf das Museumsgleis neben dem historischem Bahnhof zu sehen.

Das Orientexpress-Wappen am 1941 gebauten Schlafwagen aus dem legendären Zug ist nach dem Übersetzen auf das Museumsgleis neben dem historischem Bahnhof zu sehen.

Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild

Der Orientexpress ist eine Legende auf Rädern. Ein Schlafwagen der berühmten Zuglinie, gebaut 1941, steht nun im mecklenburgischen Gadebusch. In der Nacht wurde er per Kran aufs Museumsgleis gehoben. Dort leistet er einem anderen Reisewagen mit Geschichte Gesellschaft.

Gadebusch (dpa/mv). Wie oft hat man den Orientexpress im Film gesehen: Unterwegs von Paris nach Istanbul, bevölkert von elegant gekleideten Passagieren, als Ort eines Mordes und dessen Aufklärung durch Hercule Poirot. Einer der berühmten Wagen hat nun im mecklenburgischen Gadebusch unweit der Ostsee einen neuen Platz gefunden. Seine Ankunft in der Kleinstadt nahe der Ostsee verlief in der Nacht zu Donnerstag standesgemäß spektakulär.

In gleißendes Scheinwerferlicht getaucht, an zwei Kräne gegurtet, schwebte der Orientexpress-Schlafwagen um Mitternacht vom Betriebsgleis der Deutschen Bahn auf ein Museumsgleis am historischen Bahnhofsgebäude der Kleinstadt nahe der Ostsee. Holger Hempel, der stolze neue Eigentümer des 1941 gebauten Reisezugwagens, atmet auf. Vier Stunden hatten sie Zeit für die Operation, dann musste die Strecke wieder freigegeben werden für den Frühzug auf der Strecke Parchim-Rehna. Eine knappe Stunde brauchte die Crew für die Aktion, die einige Dutzend Schaulustige verfolgten.

Es hat geklappt. Der 80 Jahre alte Schlafwagen hat die Fahrt vom thüringischen Gera, wo er zuletzt gestanden hatte, nach Gadebusch augenscheinlich gut überstanden. Der tiefblaue Lack mit der goldgelben Aufschrift „Sleeping Car“ und dem Orientexpress-Wappen ist ohne Kratzer. Das Wappen zeigt die verschlungenen Initialen WL für „Wagons Lits“, die von zwei Löwen gehalten werden. Nachdem der 54 Tonnen schwere Waggon erfolgreich auf seinen neuen Standplatz geschwebt ist, gibt es ein Küsschen zur Begrüßung von Holger Hempel.

Drinnen hat sich die Originalausstattung in gutem Zustand erhalten. „Als käme der Waggon gerade aus der Fertigung„, sagt Hempel zufrieden. Echtholzfurnier an den Wänden, auf den Klappbetten karierte Decken mit „WL“-Initialen. Jedes der kleinen Abteile hat eine Heizung, die von einem zentralen Ofen in jedem Waggon beheizt wurde, erzählt Hempel. „Und zwischen jeweils zwei Abteilen konnte man die Wand herausnehmen und so ein größeres Abteil daraus machen.“ Der Boden ist mit rotem Teppich ausgeschlagen.

Was er für den Wagen bezahlt hat, verrät Hempel nicht. Aber wie das historische Stück zu ihm gefunden hat, ist kein Geheimnis: Es stamme vom Erben eines Sammlers, der es loswerden wollte, erzählt der 51-Jährige. Ein Bekannter habe die Sache vermittelt. Hempel ist kein Unbekannter in der Szene von Fans historischer Eisenbahnen. Auf seinem Museumsgleis stehen schon eine Diesellok aus DDR-Produktion und ein Salonschlafwagen aus dem Regierungszug der DDR, mit dem Erich Honecker unterwegs war. Urlauber können darin übernachten.

Auch im Orientexpress-Waggon sollen Touristen einmal nächtigen, sagt Hempel. „Aber da muss ich vorher noch ein bisschen was machen, zum Beispiel das Licht instandsetzen.“ Eine Dusche hat der Wagen übrigens nicht. Die Toiletten haben musealen Charakter und sollen ihn auch behalten. Hempels Lösung: „Wir werden ein historisch anmutendes Dusch- und Toilettenhäuschen neben den Waggon bauen.“

( © dpa-infocom, dpa:221201-99-732870/5 (dpa) )