Gesundheit

Kaderali: Omikron "Tür" aus der Pandemie

| Lesedauer: 2 Minuten
dpa
Lars Kaderali, Bioinformatiker, steht vor der Universitätsmedizin in Greifswald.

Lars Kaderali, Bioinformatiker, steht vor der Universitätsmedizin in Greifswald.

Foto: dpa

Der Corona-Experte Lars Kaderali äußert Hoffnung auf ein Ende der Pandemie. Von einem lockereren Umgang mit dem Virus - wie anderswo angedacht - rät er ab. Klinik-Überlastungen drohten auch mit Omikron.

Greifswald. Die Virusvariante Omikron könnte dem von der Bundesregierung berufenen Corona-Experten Lars Kaderali zufolge der Anfang vom Ende der Pandemie in Deutschland sein. "Ich würde das tatsächlich so sehen, dass Omikron die Tür sein könnte", sagte der Greifswalder Bioinformatiker der Deutschen Presse-Agentur. Einen lockereren Umgang mit dem Coronavirus, wie er in Spanien erwogen wird, hält er hierzulande nicht für ratsam. "Selbst wenn das in Spanien gut gehen sollte, kann man daraus nicht rückschließen, dass das eine gute Strategie für Deutschland wäre."

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte in einem Radiointerview erklärt, man müsse berücksichtigen, dass Covid-19 sich von einer Pandemie zu einer endemischen Krankheit entwickle. Experten arbeiteten "seit Wochen" daran, Covid-19 etwa wie eine Grippe zu behandeln. Angedacht ist demnach eine Lockerung der Überwachung der Infektionen zur Entlastung des überforderten Gesundheitswesens.

Spanien habe eine deutlich höhere Impfquote und eine deutlich höhere Zahl an durchgemachten Infektionen. "Das heißt, Spanien ist näher an dieser endemischen Situation." Sehr grob gerechnet tragen laut Kaderali über 90 Prozent der spanischen Bevölkerung Corona-Antikörper in sich. "Und da sind wir doch in Deutschland, ich sage mal, erheblich von weg." In Deutschland liege der Anteil mindestens über zehn Prozent niedriger.

Es bestehe laut Kaderali die Hoffnung, dass bis zum Sommer jeder in der Bevölkerung "das Virus schon mal gesehen hat" - entweder durch Infektion oder Impfung, wobei letzteres zu bevorzugen sei. Dann könne das Virus auch für den kommenden Herbst an Schrecken verlieren. Er hoffe, dass etwa Schließungen von Restaurants oder 2G-Regeln im kommenden Winter dann kein Thema mehr sind.

Zunächst gelte es aber, die Omikron-Welle durch Maßnahmen abzuflachen, um eine Überlastung auf den Intensivstationen zu vermeiden. Denn obwohl die Omikron-Variante wohl eine geringere Hospitalisierung als andere Varianten nach sich ziehe, werde dieser Effekt durch die hohe Infektiosität und viele Fälle kompensiert. Das legten auch Zahlen aus den USA nahe. Noch sei Omikron im Nordosten nicht in den Krankenhäusern angekommen.

Der Krisenstab der Universitätsmedizin Greifswald, zu dem Kaderali nicht gehört, rechnete zuletzt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner von über 1000 im Nordosten in den kommenden zwei Wochen. Auch Kaderali hält vierstellige Inzidenzen für möglich. "Das haben wir ja schon in einzelnen Kreisen bundesweit." Es gebe keinen Grund, warum es hier nicht auch dazu kommen sollte.

© dpa-infocom, dpa:220115-99-717606/2

( dpa )