Schiffbau

Insolvenzverwalter sucht Abnehmer für Schiffsneubau

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dpa

Es ist eine große Summe, die noch benötigt wird, um das riesige Kreuzfahrtschiff "Global Dream" auf den MV Werften zu Ende zu bauen. Doch nur, wenn es einen Abnehmer gibt, besteht die Chance, Geldgeber zu finden und den Werftarbeitern Aufschub zu verschaffen.

Wismar/Berlin (dpa) – Nach dem Insolvenzantrag für die MV Werften richten sich alle Bemühungen auf den Weiterbau des zum Großteil schon fertigen Kreuzfahrtschiffes "Global Dream". Dazu führte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen am Freitag erste Verhandlungen mit dem bisherigen Werft-Eigner Genting Hongkong. "Wir haben in guter, konstruktiver Atmosphäre ein erstes Gespräch geführt und werden nach Lösungen für die Finanzierung suchen", teilte Morgen mit, ohne jedoch nähere Einzelheiten zu nennen. Weitere Gespräche seien geplant.

Als Auftraggeber für die im Wismarer Dock liegende "Global Dream" kommt der malaysisch-chinesische Konzern weiterhin als Abnehmer in Frage. Das riesige, knapp 10.000 Passagiere fassende Schiff ist für den chinesischen Markt konzipiert. Es ist bereits zu etwa 75 Prozent fertiggestellt. Allerdings fehlen für den Weiterbau, der voraussichtlich bis in den Herbst hinein in Wismar Beschäftigung sichern würde, noch rund 600 Millionen Euro.

Den Gesamtpreis bezifferte Morgen auf etwa 1,5 Milliarden Euro. Angesichts der Pandemie-Erfahrungen in der Branche gilt es als fraglich, ob es weitere Interessenten für ein Schiff dieser Dimension geben wird.

Der Bund hatte sich bereiterklärt, das Geld für die Fertigstellung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds vorzuschießen, verlangte aber von Genting 60 Millionen Euro als Eigenanteil. Da der Mutterkonzern diese Summe nicht bereitstellte, platzte das Hilfspaket, und die Werften mit ihren 1900 Beschäftigten mussten Insolvenz anmelden.

Genting hatte die MV Werften 2016 gekauft, um Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf zu bauen. Doch infolge der anhaltenden Corona-Pandemie brachen die Einnahmen weg und der gesamte Konzern geriet in finanzielle Schieflage.

Die Bundesregierung ist nach Angaben von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bereit, einen Neustart der Werften zu begleiten. Sie werde alle Anstrengungen unternehmen, die Mitarbeiter an den Standorten Wismar, Stralsund und Rostock zu unterstützen und dazu beizutragen, ihnen eine Perspektive zu geben, heißt es in einem Brief Lindners an den Gesamtbetriebsrat.

Dessen Vorsitzende Ines Scheel bestätigte den Eingang des Schreibens, aus dem zuvor das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zitiert hatte. Nach Angaben Scheels hatte sich der Betriebsrat in zwei Schreiben an Lindner gewandt. "Wir haben gehofft, dass es doch noch eine Lösung gibt und die Insolvenz abgewendet werden kann. Nun hoffen wir, dass es anders weitergeht", sagte Scheel.

Nach Überzeugung des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat der Schiffbau in Deutschland trotz der Insolvenz der MV Werften eine Zukunft. "Grundsätzlich gibt es ja durchaus Perspektiven für die Werftindustrie", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Freitag im Deutschlandfunk. Bei großen Passagierschiffen werde sich nach der Pandemie zeigen, ob der Markt gesättigt sei. "Aber es gibt natürlich große Alternativen. Beispielsweise im Gütertransport werden wir auch zukünftig auf Schifffahrt angewiesen sein." Deshalb sei es richtig, dass die IG Metall um den Erhalt der Werften kämpfe.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass die 1900 Mitarbeiter der MV Werften die ausstehenden Dezemberlöhne am Montag ausgezahlt bekommen. Nach Angaben der IG Metall hat der Großteil der Beschäftigten bereits die erforderlichen Abtretungserklärungen unterschrieben. Diese seien Voraussetzung dafür, dass die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzausfallgeld zahlen könne.

Diese Leistungen werden allerdings nur für drei Monate gewährt. Bis dahin muss der Insolvenzverwalter andere Geldquellen erschließen, soll der Betrieb aufrechterhalten werden. Im Gespräch sind bereits der Verkauf einzelner Standorte oder die Verwertung von werfteigenen Grundstücken. Morgen zufolge gibt es in Stralsund die Idee, einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln. An anderen Standorten werde über den Bau von Offshore-Windkraft-Plattformen nachgedacht. Das Insolvenzverfahren werde voraussichtlich am 1. März eröffnet.

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