Fahrzeugbau

Mifa-Nachfolger erneut pleite: Sachsenring Bike insolvent

Mitarbeiter des Fahrradherstellers Sachsenring Bike Manufaktur GmbH montieren Fahrräder.

Mitarbeiter des Fahrradherstellers Sachsenring Bike Manufaktur GmbH montieren Fahrräder.

Foto: dpa

Schon seit über 100 Jahren gibt es in Sangerhausen eine Fahrradbautradition, die vor allem mit der Marke Mifa verknüpft ist. Doch das Werk kam immer wieder ins Straucheln. Jetzt ist Sachsenring Bike insolvent - es ist die dritte Pleite in kurzer Zeit.

Sangerhausen. Zum dritten Mal in sechs Jahren ist der Hersteller der Fahrrad-Traditionsmarke Mifa pleite. Das Unternehmen Sachsenring Bike mit Sitz in Sangerhausen meldete Insolvenz an, wie ein Sprecher des zuständigen Amtsgericht in Halle am Donnerstag sagte. Sachsenring Bike hatte das Werk im Süden von Sachsen-Anhalts erst vor drei Jahren aus der Pleite übernommen und umbenannt. Die Fahrradfertigung rund um Mifa blickt auf eine mehr als 110-jährige Tradition.

Das Gericht bestellte den Rechtsanwalt Philipp Hackländer von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Fertigung werde fortgesetzt, teilte Hackländer mit. Auch der Online- und der Werksverkauf liefen weiter. Ziel sei es, den Betrieb zu sanieren und langfristig zu erhalten, um die hohe Nachfrage nach Rädern und E-Bikes aus deutscher Fertigung zu bedienen.

Derzeit arbeiten laut vorläufigem Insolvenzverwalter rund 130 Beschäftigte im Werk, das sind deutlich weniger als in früheren Jahren. Ihre Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Laut Gewerkschaft mussten die Beschäftigten allerdings schon seit mehr als einem Jahr mit unregelmäßigen Lohnzahlungen leben. Seit Sommer 2019 seien sie regelmäßig verspätet oder unvollständig gewesen, sagte die Geschäftsführerin der IG Metall Halle-Dessau, Almut Kapper-Leibe, am Donnerstag laut Mitteilung. Für Oktober sei noch gar kein Lohn gezahlt worden. Es sei bitter, dass binnen kurzer Zeit ein weiterer Unternehmer große Worte, aber kein tragfähiges Konzept für das Sangerhäuser Werk vorweisen konnte, sagte sie mit Blick auf die Insolvenz.

Bis zum Jahresende soll es eine Sanierungslösung geben, kündigte Hackländer an. Zudem seien bereits Gespräche mit potenziellen Investoren aufgenommen worden, "im Wesentlichen Interessenten aus der Branche". Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" (online) über die erneute finanzielle Krise bei Sachsenring berichtet.

Zuletzt hatte sich bereits angedeutet, dass die Firma in Schwierigkeiten stecken könnte. Der Kreistag von Mansfeld-Südharz hatte vorige Woche entschieden, den Mietvertrag mit Sachsenring Bike aufzukündigen, wie eine Kreissprecherin sagte. Grund für die Entscheidung war, dass die Firma Mietschulden hatte. Über die Höhe wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Laut "Mitteldeutscher Zeitung" geht es um rund 96 000 Euro. Sachsenring Bike selbst war zu der Frage über Tage hinweg nicht zu erreichen.

Mit der Insolvenz ihres Mieters wird auch für den Landkreis Mansfeld-Südharz der finanzielle Schlamassel mit Bezug zum Fahrradbauer größer. Denn die Kommune muss auch eine Schlappe im Streit darum verkraften, ob ihr das Werksgrundstück gehört. Kurz vor der ersten Mifa-Pleite vor sechs Jahren hatte der Kreis dem Unternehmen das Grundstück abgekauft, um dem wichtigen Arbeitgeber Liquidität zu verschaffen. Solche Deals sind aber nicht erlaubt, wenn ein Betrieb schon zahlungsunfähig ist. Der damalige Insolvenzverwalter Lucas Flöther klagte auf Rückgabe des Grundstücks - und bekam vor wenigen Tagen vom Bundesgerichtshof Recht.

Damit gehört dem Kreis das für 5,7 Millionen Euro gekaufte Grundstück nicht mehr, den damaligen Kaufpreis gibt es nicht zurück. Und da es den Deal nicht hätte geben dürfen, muss der Kreis zusätzlich Mieteinnahmen in Höhe von 273 600 Euro zurückzahlen. Mifa-Insolvenzverwalter Flöther kündigte an, das Grundstück weiterzuverkaufen. Ob dort auch künftig Fahrräder montiert werden, hängt von den Sanierungserfolgen des neuen vorläufigen Insolvenzverwalters Hackländer ab.