Regierung

Merkel will Stadt und Land wieder näher zusammenbringen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), spricht beim Neujahrsempfang der Landesregierung MV.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), spricht beim Neujahrsempfang der Landesregierung MV.

Foto: dpa

Stralsund. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für einen engeren Dialog zwischen Stadt und Land und neue Wege bei der angestrebten Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse ausgesprochen. Immer weniger stehe dabei der Ost-West-Unterschied im Mittelpunkt. Die größte Herausforderung seien die Diskrepanzen zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen in ganz Deutschland. "Daran werden wir sehr viel arbeiten müssen", sagte Merkel am Montag beim Neujahrsempfang der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns vor 400 Gästen in Stralsund. Dazu gehöre die Umstellung der Wirtschaftsförderung, bei der die demografische Entwicklung in der jeweiligen Region ein größeres Gewicht erhalten müsse.

"Es geht im Grunde um die Frage, ob wir uns noch verstehen zwischen Stadt und Land", sagte Merkel mit Hinweis auf die Debatten um Energiewende und Agrarproduktion. "In den Städten ist es natürlich sehr einfach, für die Windenergie zu sein", sagte sie. Für Dorfbewohner mit Windrädern vor ihren Häusern sei dies eine andere Frage. Deshalb unterstütze sie Pläne, Menschen in der Nähe von Windparks oder Überlandleitungen auch an den Gewinnen zu beteiligen. "Das war früher ganz selbstverständlich: Wer ein Atomkraftwerk in seiner Kommune hatte oder in der Nähe, dem ging es gut", sagte Merkel, wollte dies aber nicht als Abkehr vom beschlossenen Atomausstieg verstanden wissen. Wer die Gesamtlast der Energiewende auf sich nehme, müsse dafür auch entschädigt werden.

Merkel sprach sich auch für einen stärkeren Dialog zur Landwirtschaft aus. Wer regionale Produkte essen wolle, dürfe nicht schon bei der Genehmigung von neuen Kuhställen die Nase rümpfen. "Diese Dinge müssen wir zusammenbringen in der Zukunft".

Die Kanzlerin würdigte in Erinnerung an die Wendejahre 1989/1990 den Mut der Menschen und den Wert der von ihnen errungenen Meinungsfreiheit. "Wir waren eigentlich stumm und hatten keine Worte der gesellschaftlichen Diskussion", sagte sie. Doch dann seien viele Menschen über sich hinausgewachsen und hätten mit Plakaten und prägnanten Lösungen die richtigen Worte gefunden. "Manchmal frage ich mich, wo ist das geblieben", erklärte Merkel und mahnte Dialogbereitschaft an, die immer auch den Respekt vor der anderen Meinung einschließen müsse.

"Deshalb ist es mein Wunsch, neben Gesundheit, neben Kreativität und einem friedlichen Jahr 2020, dass wir ein Jahr des Zuhörens haben, des Hinhörens, des sich überraschen lassens, dass auch andere etwas Schönes können, etwas Gutes denken und eine gute Idee haben", betonte die Kanzlerin. In der Debatte um die Zukunft Deutschlands sollten sich im 30. Jahr der deutschen Einheit auch die Ostdeutschen selbstbewusst einbringen. Sie hätten Schwierigkeiten getrotzt und vieles geschafft, betonte die Kanzlerin.