Soziales

Tafeln an Kapazitätsgrenze: Logistik-Zentrum zu klein

Eine Mitarbeiterin sortiert in der Lagerhalle der Rostocker Tafel Lebensmittel.

Eine Mitarbeiterin sortiert in der Lagerhalle der Rostocker Tafel Lebensmittel.

Foto: dpa

Die Tafeln haben großen Zulauf. Rund 20 000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern holen dort Lebensmittel ab. Doch nun seien die Kapazitäten der Tafeln ausgereizt. Helfen könnten neue Lager und Ehrenamtliche.

Rostock. Mecklenburg-Vorpommerns Tafeln für Bedürftige sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Die bestehende Infrastruktur sei ausgelastet, die Lager seien zu klein, sagte der Vorsitzende der "Tafel Deutschland", Jochen Brühl. "Es könnten mehr Lebensmittel gerettet werden, wenn unser Logistik-Zentrum in Neubrandenburg mehr Kapazitäten hätte. Zurzeit werden hier jährlich über 1200 Paletten Lebensmittel direkt von den Herstellern und Erzeugern gerettet und an die Tafeln im Land weiterverteilt." In den vergangenen zwei Jahren hätten die Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 40 Prozent mehr Lebensmittel-Spenden erhalten. Die Waren-Überschüsse seien riesig.

Allein die Tafel in Rostock hat mit ihren 16 Ausgabestellen nach eigenen Angaben einen täglichen Umsatz von bis zu acht Tonnen Lebensmitteln, davon werden bis zu drei Tonnen aussortiert und zum Beispiel an Bauern zur Fütterung ihrer Tiere weitergeleitet. Dennoch meint Leiterin Beate Kopka, dass die Supermärkte noch zu viele Lebensmittel wegwerfen. Die Tafel erhalte nur einen Bruchteil der überschüssigen Lebensmittel, Engpässe gebe es ständig bei Fleisch, Wurst und Molkereiprodukten. Durchschnittlich würden rund 2500 Menschen durch die Tafel in der Hansestadt unterstützt. Kopka schätzt, dass es doppelt so viele sein könnten, wenn mehr Geld zur Verfügung stünde.

Insgesamt holen rund 20 000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern Lebensmittel bei den Tafeln ab. Dabei spricht Brühl eher von einer Unterstützung statt Versorgung. "Tafeln sind keine Vollversorger, bei denen Menschen normal einkaufen können. Wir verstehen uns als ein ergänzendes Angebot und können nur das verteilen, was übrig bleibt."

Die größte Herausforderung sei es, Ehrenamtliche zu finden. Denn Lebensmittelrettung sei ein schnelles Geschäft, sagt Brühl. "Fahrer für die Tafeln müssen sehr verlässlich sein und sind oft mehrere Stunden am Stück ab den frühen Morgenstunden unterwegs, um Lebensmittel einzusammeln." Das Problem werde künftig noch zunehmen, warnt Brühl. Eine wichtige Unterstützung für die Tafeln im Land seien deshalb Bundesfreiwillige, sogenannte Bufdis.

In Mecklenburg-Vorpommern werden die Tafeln nicht durch öffentliche Gelder des Landes unterstützt. Eine Förderung für die Infrastruktur sei auch nicht vorgesehen, sagt der Sprecher des Sozialministeriums, Alexander Kujat. "Die Anschaffung von Kühlfahrzeugen sind klassische Aufgaben von Sponsoring oder Sondertöpfen. Die Bereitstellung von Lagerkapazitäten liegt im Aufgabenbereich der Kommunen im Rahmen der kommunalen Sozialplanung." Das Land fördere jedoch soziale Organisationen, die teils Träger von Tafeln seien. So kämen Landeszuschüsse für ehrenamtliche Mitarbeit auch den Tafeln zugute.

Eine deutliche Verbesserung wird nach Angaben Kujats das Programm des Bundesarbeitsministeriums zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit bringen. "Soziale Hilfsprojekte wie Tafeln sind fast vollständig abhängig von solchen arbeitsmarktlichen Förderungen der Personalkosten und können schon lange nicht mehr nur aus ehrenamtlichem Engagement heraus umgesetzt werden." Beim neuen Bundesprogramm gehe es um öffentlich geförderte Beschäftigung bei Unternehmen, aber auch bei sozialen Einrichtungen und Kommunen. Damit könnten Kommunen gesellschaftliche Aufgaben umsetzen und die Geförderten bekämen eine echte Teilhabechance.