EU

Klöckner: Ostsee-Fangkürzungen nicht akzeptabel

Fischer holen in der Ostsee ihre Stellnetze mit Hering ein.

Fischer holen in der Ostsee ihre Stellnetze mit Hering ein.

Foto: dpa

Die EU will die Fangquoten in der Ostsee massiv kürzen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner will das nicht hinnehmen. Die Linke sieht die traditionelle Küstenfischerei im Nordosten gefährdet.

Luxemburg/Schwerin. Deutschland wehrt sich gegen aus seiner Sicht übermäßige Senkungen der Fangquoten in der Ostsee. "Angesichts der sozio-ökonomischen Auswirkungen einer so drastischen Kürzung schlagen wir (...) eine geringere Senkung der Fangmenge als die von der Kommission vorgeschlagenen 71 Prozent vor", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Montag mit Blick auf den Heringsfang in der westlichen Ostsee.

Die EU-Fischereiminister verhandelten am Montag in Luxemburg über die Fangquoten für 2020. Angesichts des kritischen Zustands etlicher Bestände hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, Fangquoten zu verringern. Die Minister müssen sich aber darauf verständigen.

Umweltverbände warnen dabei vor weitreichenden Folgen. Die negativen Folgen der Klimakrise seien für die Bestände von Dorsch und Hering sichtbar, hieß es von der Naturschutzorganisation WWF. Da die Laichgründe in schlechtem Zustand seien, pflanzten sich die Fische weniger erfolgreich fort. "Nur wenn der Druck auf das Ökosystem Ostsee als Ganzes drastisch vermindert wird, gibt es eine Chance, dass es mit zunehmender Klimakrise nicht zu einem Kollaps des Systems kommt", sagte WWF-Fischerei-Expertin Stella Nemecky.

Wolfgang Weiß von der Linksfraktion im Schweriner Landtag sieht mit den Vorschlägen der EU-Kommission die traditionelle Küstenfischerei im Nordosten als Ganzes bedroht. Er forderte Klöckner auf, sich in Brüssel für eine spürbarere Unterstützung der Küstenfischer einzusetzen, um den Betrieben bei der Bewältigung dieser ökologischen und ökonomischen Krise zu helfen. Auch könnte der Bund selbst eigene Förderprogramme auflegen.

Für den fischereipolitischen Sprecher der AfD-Fraktion, Dirk Lerche, ist eine erneute Verschärfung der Quoten ein falscher Weg. Die Küstenfischerei sei nicht nur ein wichtiges Kulturgut, sondern bringe auch dringend benötigte Arbeitsplätze. Er plädierte für eine Lockerung der Fangquoten bei gleichzeitigem Anheben des Mindestmaßes bei Dorschen auf 45 Zentimeter und ein Fangverbot vom 1. Februar bis 31. März.

Mit Blick auf den Dorschfang sagte Bundesministerin Klöckner, die vorgeschlagene Höchstmenge von zwei Exemplaren pro Tag für Freizeitfischer sei nicht akzeptabel. "Dies könnte einer Schließung des Angeltourismus an der deutschen Ostseeküste gleichkommen. Das Bag Limit wird zwar meist nicht ausgeschöpft, ist aber eine psychologische Schranke - viele Angler werden die Reise an die Ostseeküste dann nicht mehr unternehmen." Unter Bag Limit versteht man die maximale Fangmenge pro Angler und Tag.