Bildung

Hochqualifizierte Jüngere wandern ab: Niveau in MV gesunken

Studenten verfolgen am 10.10.2016 in einem Hörsaal der Universität Greifswald eine Vorlesung.

Studenten verfolgen am 10.10.2016 in einem Hörsaal der Universität Greifswald eine Vorlesung.

Foto: dpa

Viele Kinder lernen früh in der Kita und in den Schulen gibt es vergleichsweise kleine Klassen - das ist gut. Aber MV leidet unter einem Rückgang an Hochschulabsolventen, Meistern, Technikern und Erziehern. Nach der Ausbildung wandern immer noch viele aus MV ab.

Schwerin/Berlin. Mecklenburg-Vorpommern hat weniger Hochqualifizierte als noch vor zehn Jahren. Im Jahr 2008 verfügten 27 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über ein abgeschlossenes Studium, eine Meister-, Techniker- oder Erzieherausbildung, wie das Statistische Landesamt in Schwerin am Mittwoch bekanntgab. Zehn Jahre später lag ihr Anteil nur noch bei 25 Prozent. Ein Grund sei die Abwanderung jüngerer Menschen nach der Ausbildung, hieß es.

Unter den 25- bis 33-Jährigen in MV haben demnach sogar nur 24 Prozent einen sogenannten tertiären Abschluss - und damit deutlich weniger als im bundesweiten Mittel, der bei 32 Prozent liege. Im Durchschnitt der OECD-Länder sind es den Angaben zufolge sogar 44 Prozent.

Die Älteren im Nordosten weisen dagegen ein deutlich höheres Bildungsniveau auf, wie es weiter hieß. In der Altersgruppe der 55- bis 63-Jährigen liege der Anteil der Hochqualifizierten bei 30 Prozent und somit über dem bundesweitem Durchschnitt von 26 Prozent, hieß es. "Viele der heute Älteren haben in der ehemaligen DDR hochwertige Bildungsabschlüsse erworben", erklärte die Sprecherin des Statistischen Landesamtes in Schwerin, Loretta Siegmann.

Der Nordosten fällt damit zurück: In Deutschland leben den Angaben zufolge nämlich immer mehr Hochqualifizierte. Fast jeder Dritte (29 Prozent) konnte im Jahr 2018 ein abgeschlossenes Studium, eine Meister-, Techniker- oder Erzieherausbildung vorweisen. Vor zehn Jahren seien es noch 25 Prozent gewesen, heißt es in der Publikation "Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich" der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Die Untersuchung greift eine aktuelle Studie der OECD zum Bildungsniveau auf und betrachtet international standardisierte Indikatoren von der Kita über die Schulen und die Hochschulen bis hin zum lebenslangen Lernen. Positiv dabei für Mecklenburg-Vorpommern: Der Anteil der Geringqualifizierten ohne ordentlichen Berufsabschluss liegt nur bei 7,9 Prozent. Im Bundesdurchschnitt sind es 13,3 Prozent. Einen Abschluss nach einer Berufsausbildung haben im Nordosten 56,8 Prozent, bundesweit nur 42,1 Prozent.

Allerdings: Den Experten zufolge steigt die Nachfrage nach höherwertigen Qualifikationen und Kompetenzen. Die Beschäftigungsquoten von Absolventen des Tertiärbereichs seien rund neun Prozentpunkte höher als die derjenigen, die nur über einen Berufsabschluss verfügen. Ihre Erwerbseinkommen seien im Durchschnitt 57 Prozent höher. Absolventen des Tertiärbereichs haben demnach auch eher eine gute Gesundheit, leben umweltbewusst oder nehmen am öffentlichen Leben teil.

Der Untersuchung der Statistikämter zufolge punktet Mecklenburg-Vorpommern vor allem bei der frühkindlichen und der Schulbildung. So besuchten im Jahr 2017 fast 90 Prozent der Zweijährigen eine Kinderkrippe. Damit verzeichne MV im deutschlandweiten Vergleich nach Thüringen und Brandenburg die höchste Bildungsbeteiligung von Kindern dieser Altersgruppe. Auf Bundesebene besuchten demnach lediglich 66 Prozent der Zweijährigen eine Kinderkrippe.

In den Schulen im Nordosten sind die Klassen im Durchschnitt kleiner als anderswo. In den weiterführenden Schulen sind die Klassen mit durchschnittlich 21 Schülern bundesweit sogar am kleinsten. Der Bundesdurchschnitt liegt den Angaben zufolge bei 24 Kindern.