Lüneburg

ARD-Serie "Rote Rosen" bangt um Standort

Nachbarfirma des Fernsehstudios in Lüneburg hat dem Eigentümer einen Mietvertrag über zehn Jahre angeboten. Ein Umzug wäre ein kostspieliges Mammutprojekt.

Lüneburg. Jan Kremer führt derzeit noch mehr Gespräche als sonst. Der Heimfelder ist Herstellungsleiter der erfolgreichen ARD-Serie "Rote Rosen" - und das Fernsehstudio in Lüneburg muss gerade um seinen Standort bangen. Gefeiert wird am Freitag trotzdem groß: Am Dienstag, 28. Mai, wird die 1500. Folge der Telenovela ausgestrahlt.

Um 14.10 Uhr sehen dann vermutlich rund 1,6 Millionen Menschen nach Lüneburg, wie jeden Werktag zu dieser Zeit. Jan Kremer und seine Kollegen arbeiten derweil im Hintergrund. Gemeinsam mit Produzent Emmo Lempert und Produktionsleiter Kai Pegel planen sie Strategie und Wirtschaftlichkeit, verhandeln derzeit mit Auftraggeber ARD über die Fortsetzung der Serie über die bis jetzt geplante 1800. Folge hinaus - und sprechen derzeit zusätzlich auch mit ihrem Vermieter.

Seit sieben Jahren liegt das größte Fernsehstudio Niedersachsens in ehemaligen Hallen von Konica-Minolta. Fast 4,5 Millionen Euro hat die Umrüstung gekostet, mit gut zwei Millionen Euro gefördert von der niedersächsischen Filmfördergesellschaft Nordmedia, dahinter stecken NDR und Land.

Jetzt gibt es Probleme mit dem Mietvertrag. Der direkte Nachbar "Deerberg"-Versand hat dem Eigentümer einen Vertrag über zehn Jahre angeboten. So weit im Voraus kann sich eine stets nur über zwei Jahre planende TV-Produktion nicht festlegen. Muss das Fernsehstudio umziehen, wäre das ein kostspieliges Mammutprojekt. "Wir sind in Verhandlungen mit dem Vermieter", sagt Sprecher Dieter Zurstraßen. Der Vertrag läuft noch bis Ende Juni 2014. Klar sei aber: "Die Serie wird weiter in Lüneburg spielen."

Worte, die in der 72 000-Einwohner-Stadt sicher gern gehört werden. Denn der Wirtschaftsfaktor ist immens. Zusammen mit weiteren Staffeln hat Nordmedia insgesamt 4,7 Millionen Euro nach Lüneburg gepumpt. 150 Arbeitsplätze bietet das größte TV-Studio Niedersachsens, etwa ein Drittel des Teams ist in die Stadt gezogen, Tausende Touristen kommen nach Lüneburg und geben dort Geld aus, um die schöne Stadt aus dem Fernsehen selbst hautnah zu erleben.

Hinzu kommt: Lebensmittel, Baumaterial und all die Dinge des täglichen Bedarfs einer Fernsehproduktion werden vor Ort gekauft. Nur das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, nicht - das stellt das Studio selbst her. Denn wo andernorts mit gezeigten Produkten Werbeeinnahmen gemacht werden, ist das bei den "Roten Rosen" streng verboten.

So erscheinen die Bücher auf den Nachttischen im fiktiven Verlag Lilienthal (das Studio liegt an der Lilienthalstraße), die Magazine neben den Sofas gibt es in keinem Kiosk zu kaufen, die Bilder an den Wänden stammen aus der Hand der hauseigenen Grafikerin, die Künstler auf Ausstellungsplakaten haben nie gelebt, und die Etiketten auf den Marmeladengläsern haben die hauseigenen Drucker ausgespuckt.

Dennoch nimmt die Region viel ein mit den Fernsehfreu(n)den. "Wir gehen davon aus, dass pro produzierter Staffel rund 1,3 Millionen Euro Wertschöpfung in der Region Lüneburg verbleiben und weitere 1,8 Millionen im Land Niedersachsen", sagt Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der Lüneburger Wirtschaftsförderung. Hinzu komme der Marketingeffekt - vom steigenden Tourismus wiederum profitierten das Beherbergungsgewerbe, die Gastronomie, der Einzelhandel.

Jan Kremer fährt im Schnitt zweimal pro Woche nach Lüneburg, um direkt an der Produktion zu arbeiten. Die übrigen Arbeitstage steuert er in Richtung Norden: zum Studio Hamburg.

Dass er beim Fernsehen arbeiten will, wusste der 55-Jährige schon als Student - die einzige Alternative wäre für ihn der Hafen gewesen. Aber das Studio Hamburg war schneller. Der Betriebswirt weiß das Arbeiten in einer Kleinstadt und das Leben in einer Art Kleinstadt zu schätzen, denn als das sieht er Harburg: "Hier ist alles überschaubar, man kennt sich." Dass ihm genau das fehlen kann, hat er gemerkt, als er mit seiner Frau - ebenfalls aus Harburg - einmal für ein paar Jahre am Rothenbaum gewohnt hat.

Aufgewachsen in der Würfelstraße, zur Schule gegangen an der Maretstraße und am Gymnasium Göhlbachtal, könnten einige Jan Kremer sogar aus alten Zeiten des "Top Ten" an der Außenmühle kennen: Dort stand er vor rund 40 Jahren mal mit seiner Schülerband auf der Bühne. Heute steht er hinter der imaginären Bühne - und sorgt dafür, dass vorne alles glatt geht.

Feiern werden Jan Kremer und das Team die 1500. Folge ihrer Erfolgsserie am Freitagabend in Lüneburg. Selbstredend im Hotel "Bergström", das im Fernsehen regelmäßig als das "Drei Könige" seinen Auftritt hat.