Tierschutz

Junge Arbeitslose retten Kröten vor dem Tod auf der Straße

Foto: Stefan Bohlmann

Die tragischen Todesfälle auf der Kreisstraße nach Luhdorf am Ortsausgang Radbruch halten sich in Grenzen. Nur 20 von 1000 Amphibien sterben jetzt im Frühjahr auf ihrem Weg vom Winterquartier im Staatsforst Radbruch zu den Laichplätzen in einem kleinen See auf der anderen Seite der Straße.

Dass nicht mehr Frösche, Kröten und Molche von Autos platt gefahren werden, haben die Amphibien in erster Linie dem Grünplaner der Samtgemeinde Bardowick, Helmut Meier, zu verdanken. Er ist für den Naturschutz zuständig und damit auch für den 350 Meter langen und 35 Zentimeter hohen Zaun aus gelben Kartoffelnetzen, der zwischen Wald- und Straßenrand steht. Beim Aufbau der lebensrettenden Amphibien-Barriere haben die Teilnehmer einer Fortbildungsmaßnahme des Bardowicker Bauhofes in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege und der Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Grundsicherung (ARGE) für arbeitslose junge Leute tatkräftig mit angepackt. Sie helfen Meier auch, die in der Nacht gewanderten Kröten, Frösche und Molche frühmorgens aus den 15 Plastikeimern zu nehmen, die vor dem Zaun in den Waldboden eingelassen sind, und sie anschließend sicher über die Straße zum Laichgewässer zu tragen.

Die Zahl der Tiere, die die Helfer täglich aus den Eimern fischen, variiere, sagt Meier. "Wir hatten schon 313 an einem Tag." Insgesamt zwei Wochen bleibt der Zaun stehen. Am kommenden Wochenende wird er wieder abgebaut. "Bis jetzt haben wir 500 Amphibien eingesammelt", so Meier. Während in der Vergangenheit die Erdkröte deutlich in der Überzahl gewesen sei, seien es nun Grasfrösche. "Das ist sehr erfreulich." Grund für die stark gestiegene Population der Grasfrösche sei, dass sich das Laichgewässer, eine einstige und rekultivierte Sandentnahmestelle für den Straßenbau, weiter entwickle. "Das Gewässer bekommt mehr Wasserpflanzen am Rand. Und die sind gut, weil die Frösche sie für die Eiablage gerne nutzen."

Obwohl die männlichen Grasfrösche im Wasser überwintern, finden die Naturschützer nach Meiers Worten nicht nur Weibchen in den Eimern, die wiederum den Wald als Quartier für die kalte Jahreszeit als Lebensraum wählen. Es seien auch kleine Wunder der Natur zu beobachten: Grasfrösche, die sich im Eimer kennen und lieben gelernt haben und nun in ihm als Doppeldecker aufeinander hocken. "Das ist zwar bei Erdkröten so üblich, nicht aber bei Grasfröschen", sagt er.