Verkaufsoffener Sonntag

Jetzt kann der Frühling kommen

Wentorf. Es ist schon eineTradition: Mit dem "Wentorfer Frühling" auf der Bummelmeile zwischen Hauptstraße, Casinopark und Möbelpark Sachsenwald wird die schöne Jahreszeit eingeläutet.

Wenn Dieter Lünsmann aus Billstedt seine mutigen fünf Minuten hat, dann überholt er sogar eine Mofa. Doch das will gut überlegt sein. Zwar steht im Fahrzeugschein seiner Isetta, dass sie bis auf 85 Kilometer pro Stunde beschleunigt, doch wirklich testen möchte der 70-jährige Oldtimer-Fan das nicht. Für ihn gilt: Autobahnen besser meiden. "Die Kassler Berge runter mit Bleifuß, das ist fast Selbstmord", plauderte er aus dem Nähkästchen. Und fand am Wochenende beim Wentorfer Frühling ebenso begeisterte Zuhörer, die an seinen Lippen hingen, wie die anderen Oldtimerfahrer, die ihre Schmuckstücke vor dem Autohaus Vorbeck präsentierten. Die alten Schätzchen, die meist mit Herzblut restauriert und mit Liebe für die Schau auf Hochglanz gewienert worden sind, entpuppen sich regelmäßig als Zuschauermagnet auf der Bummelmeile zwischen Hauptstraße, Casinopark und Möbelpark Sachsenwald.

Dort brachte ein Kinderkarussell die jüngsten Besucher ordentlich in Schwung, die Eltern und Großeltern konnten Jazzmusik lauschen, auf den neuesten Gartenmöbeln Platz nehmen, Bratwurst essen oder sich an zahlreichen Ständen über Markisen, Rollläden, Dachdeckerleistungen und vieles mehr rund um das Thema Haus informieren. "Am Sonnabend hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, wir hatten kaum Interessierte an den Ständen", sagt Edgar Seibert, der maßgefertigte Rollladensysteme für Wintergärten, Fenster und Haustüren anbietet. Ein weiteres Problem: "Für die älteren Gäste ist das Thema Hausbau durch, und die jüngeren Familien möchten viele Leistungen gern in Raten abbezahlen. Ich bin aber ein Handwerker, der vier Mitarbeiter beschäftigt, und keine Bank", bedauert er. Dennoch möchte er die Messen im Frühjahr und Herbst nicht missen, weil er dort - im Gegensatz zum Internet - direkt erfährt, was sich die Kunden wünschen. Derzeit sind übrigens weiß-gelb-gestreifte Markisen der Renner.

Auch am Stand von Jessica Sagel von der Gärtnerei Knappe ging es bunt zu. Allerdings: "Die Leute würden am liebsten schon jetzt Blumen pflanzen, aber sie halten sich noch zurück, weil die Eisheiligen erst durch sein müssen", sagt sie. Die Blume des Jahres, der Elfenspiegel - drei Farben in einem Topf - fand aber jetzt schon viele Anhänger.

Wer das gesamte Treiben einmal aus einer anderen Perspektive erleben wollte, war beim Hubschrauber-Rundflug willkommen. Der Helikopter hob auf der Wiese Moorkoppel/Ostring/Berliner Landstraße ab. Dieter Lünsmann setzte sich gestern Abend wieder gemütlich in seine Isetta, bewundert von den vielen Gästen, die bei dem Trubel in Wentorf meist zu Fuß von einer Station zur anderen unterwegs waren.