Obdachlosigkeit

Patrick Frühhaber schafft es

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Susanne Tamm

Wentorf. Patrick Frühhaber hat nur einen Weihnachtswunsch: Dass das kommende Jahr für ihn genau so gut läuft wie das vergangene und dass er weiterhin glücklich mit seiner Freundin zusammenleben kann. Denn der 24-Jährige kennt ganz andere Zeiten. Als 18-Jähriger war er abgerutscht, lebte einige Monate in der ehemaligen Obdachlosenunterkunft an der Schanze.

Der ehemals Obdachlose lebt inzwischen in einer Wohnung und hat feste Arbeit gefunden.

"Ich habe viel Mist gebaut", zeigt sich der junge Mann heute einsichtig. "Dass ich die Kurve bekommen habe, verdanke ich nur meiner Freundin und meinen Großeltern." Heute hat er sich wieder berappelt, lebt in einer eigenen Wohnung und hat einen festen Arbeitsplatz.

Frühhaber lebte als Jugendlicher bei seinen Großeltern in Wentorf. 2003, er war 18 Jahre alt, starb seine Mutter, die er seit drei Jahren nicht gesehen hatte. Im selben Jahr stürzte er ab: Während eines Urlaubs seiner Großeltern schnappte er sich betrunken ihren Wagen und fuhr ihn zu Schrott - ohne Führerschein. Er kassierte eine Anzeige: Fahren ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss. Nach dem Krankenhausaufenthalt traute er sich nicht mehr nach Hause.

"Zuerst bin ich noch bei Freunden untergekommen. Aber dann bin ich in an der Schanze gelandet", berichtet Frühhaber. Dort habe er es jedoch nicht lange ausgehalten. "Da wurde ständig eingebrochen, Drohungen wurden an die Tür geschmiert", erinnert er sich. Am Ende verlor er seinen Ausbildungsplatz als Tischler, der Alkohol tat sein Übriges.

Erst als er sich wieder mit seinen Großeltern versöhnte und bei ihnen Unterschlupf fand, wendete sich das Blatt. Ehemalige Kollegen rieten ihm, es bei einer Zeitarbeitsfirma zu versuchen. Mit seinem Hauptschulabschluss erhielt er dort tatsächlich ein paar Jobs. Schließlich brachte ihn seine Freundin wieder auf den richtigen Weg. Mit seiner heute 18-jährigen Freundin kam er 2003 zusammen. Sie machte ihm klar, dass er zur Vernunft kommen musste. "Da hat es bei mir Klick gemacht", sagt er dankbar. "Sie hat mich in allem unterstützt." Im Januar zogen die beiden zusammen, im August bot ihm ein Kunde der Zeitarbeitsfirma einen unbefristeten Arbeitsvertrag an. "Mein Chef hat zum Glück Verständnis für meine Situation", erzählt Frühhaber. Außerdem mache er jetzt eine Therapie gegen Alkoholsucht.

Sorgen bereiten ihm allein seine Schulden in Höhe von etwa 4000 Euro. Allein 1323 Euro davon sind Forderungen der Gemeinde: Nutzungsgebühren für die Unterkunft und Wohngeld, das ihm zu viel ausgezahlt wurde. "Ich habe nur das Geld gesehen und es einfach mit ausgegeben", gibt er heute zu. Eine drohende Kontopfändung konnte er per Anwalt abwenden. Außerdem bot die Gemeinde ihm eine Ratenzahlung an. "Aber 300 Euro im Monat - das ist für mich bei einem Einkommen von 1151 Euro zu viel", beteuert er. "Ich will alles abbezahlen, aber das kann ich nicht aufbringen."

Bürgermeister Matthias Heidelberg bedauert, dass er über laufende Verfahren keine Auskunft geben darf, signalisiert aber Entgegenkommen: "Wir warten noch auf eine Antwort, vielleicht würde ein Anruf des Anwalts schon genügen."

"Dass ich die Kurve bekommen habe, verdanke ich meiner Freundin und meinen Großeltern." Patrick Frühhaber

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