Unser Adventskalender, 10. Tür

Kost und Logis für grüne Gäste der Gärtnerei Knappe

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Wentorf (pcs). Der betörende Duft von Orangenblüten strömt aus dem leicht geöffneten Türspalt. Weihnachten scheint fern hinter dem gläsernen Gewächshaustor: kein Christbaum weit und breit, stattdessen füllen bunt-blühende Kübelpflanzen und üppig grünende Büsche die Reihen.

Das Gewächshaus der Gärtnerei Knappe dient Oleander, Trompetenbaum, Hibiskus und Co. als Winterquartier. "Wir beherbergen über 1000 Pflanzen, die wir von zu Hause abholen und in unsere Pension bringen", sagt Verena Knappe (41), die die Verantwortung für die grünen Lieblinge ihrer Kunden trägt.

"Unglaublich, immer wenn sie hier ist, trägt sie Blüten", sagt Rolf Freisler (66) aus Reinbek und steht entgeistert vor seiner mannshohen brasilianischen Tibouchina. Die lilafarbenen Blüten der Kübelpflanze leuchten im Dämmerlicht des Dezembernachmittags. Bald ist auch ihre Zeit vorbei. "Wir müssen die Pflanze etwas stutzen", sagt Expertin Knappe, die die Gäste im Winter fit für ihren sommerlichen Einsatz im Garten oder auf der Terrasse macht.

Für rund 50 Euro bekommen die grünen Kurgäste einen Wellnessurlaub im Glashaus: Mit Spezialerde und Dünger hält Verena Knappe das Tropengewächs Tibouchina in den dunklen Monaten bei Laune. "Manche Gäste wie zum Beispiel diese Clivien sind schon fast hundert Jahre alt", erklärt sie und zeigt auf die zahlreichen saftig-grünen Blätter ihrer Schützlinge.

Der stämmige Hibiskus am Ende des Ganges hat heute Besuch von seiner Besitzerin Brigitte Sand. "Er ist etwas ganz Besonderes, trägt im Sommer tiefdunkle rote Blüten", sagt die pensionierte Lehrerin aus Wentorf und blickt liebevoll auf die bereits gestutzte Pflanze, ein Geschenk ihrer früheren Schüler. "Ich habe ihn auf der Fensterbank in der Küche großgezogen. Inzwischen findet er nur noch vor dem Haus Platz. So eine stabile Pflanze finde ich nicht wieder", erklärt die 64-Jährige, warum ihr Hibiskus einen winterlichen Pensionsaufenthalt verdient.

Hinter Verena Knappes Türen verbringt er die kalte Jahreszeit bei angenehmen zwölf Grad im Kreise seiner Artgenossen. Liebevolle Zuwendung ist den Pensionsgästen gewiss, ganz so, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. "Wenn der Hibiskus die Blätter etwas hängen lässt, spreche ich mit ihm", sagt Sand und erzählt: "Ich erkläre ihm dann, dass er Durst hat und dass ich gleich mit der Gießkanne vorbeikommen werde."

Morgen öffnen wir das elfte Türchen unseres Adventskalenders auf der Bergedorf-Seite.

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