Soziales

Sexuelle Aufklärung dank Pfand

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Susanne Holz

"Pfandtastisch helfen" können jetzt Kunden des Edeka-Marktes Kröger an der Hauptstraße in Wentorf. Unter diesem Motto kooperiert der Lebensmittelhändler mit der Beratungsstelle pro familia.

Pro familia kooperiert mit Edeka: Das Geld für leere Flaschen fließt in Projekte für Jugendliche.

Die Idee: Kunden, die leere Getränkeflaschen abgeben, lösen ihren Pfand-Bon nicht an der Kasse gegen Bares ein, sondern spenden ihn pro familia. Eine rote Sammelbox steht direkt neben dem Getränkeautomaten. Einmal im Monat bekommt eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle den Gegenwert in Scheinen und Münzen.

Seit Juli begeisterten sich im Testlauf bereits so viele Kunden freiwillig für das Projekt, dass rund 220 Euro zusammengekommen sind. "Das ist eine tolle Summe, mit der wir Projekte finanzieren können", freute sich gestern Ruth Gremmels, Sexualpädagogin bei pro familia in Geesthacht, als sie wieder eine ganze Handvoll Bons einlösen konnte.

Die 29-Jährige geht zusammen mit einem Kollegen in Schulen, um in ungezwungener Atmosphäre mit Mädchen und Jungen über erste Liebe, Sexualität, Ängste, Sorgen und Wünsche zu sprechen. Rund vier Stunden widmen sich die Berater den jungen Leuten, sind bei Schulen willkommene externe Gesprächspartner. Um diese Arbeit im Kreis Herzogtum-Lauenburg und ganz Schleswig-Holstein aufrechterhalten zu können, sind sie auf Spenden angewiesen. "Wir absolvieren rund 30 solcher Veranstaltungen im Jahr", sagt Gremmels.

Dass die sehr nötig sind, unterstreicht Reiner Johannsen, Geschäftsführer von pro familia Schleswig-Holstein. "Man meint, dass die Jugendlichen durch Fernsehen, Internet und die allgegenwärtige Präsenz der Sexualität aufgeklärt sind. Doch das ist ein Trugschluss", sagt er. Früher sei das Thema Sexualität tabuisiert gewesen. Heute trauten sich junge Leute wesentliche Fragen gar nicht zu stellen, weil sie meinten, dann als unaufgeklärter Dummkopf dazustehen. "Viele Kinder und Jugendlichen werfen mit erwachsenen Begriffen um sich. Bei Nachfrage stellt sich oft heraus, dass sie gar nicht genau wissen, über was sie reden", hat Sexualpädagogin Gremmels festgestellt.

Edeka-Geschäftsführer Dirk Kröger ließ sich schnell für die gute Sache erwärmen, ist von der Kooperation mit der Beratungsstelle pro familia überzeugt. "Jeder Pfand-Bon ist ein kleiner Betrag, zusammen summieren sie sich schnell", sagt er. Einen Euro in Münzform zu spenden, fänden viele Kunden eher lächerlich, ein Pfand in gleicher Höhe für einen guten Zweck zu spenden, falle leichter. Die Resonanz der Kunden sei durchweg positiv, berichtet Kröger.

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