Jubiläum

Seit 65 Jahren unzertrennlich

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Erst musste die alte Eiche im Garten an der Karlshöhe in Wentorf dran glauben. Doch nach dem gemeinsamen Fällen des Baumriesen hatte der Rheinländer Paul Rix bei Eigentümer Carl Klempau einen Stein im Brett und bekam die Erlaubnis, mit seiner Tochter Ilse auszugehen.

Das hat sich gelohnt: Morgen können Paul und Ilse Rix ihre eiserne Hochzeit feiern.

Als die 18-Jährige mit den großen Augen in der Bose-Bergmann-Kaserne Zeitungen austrug, war sie dem 20-jährigen Pionier sofort aufgefallen. Es war im Frühjahr 1943, in Deutschland und der Welt tobte der Zweite Weltkrieg, aber die beiden Verliebten hatten anderes im Sinn.

Paul führte Ilse ins Theater an den Gänsemarkt und danach noch ins St. Pauli-Theater. "Ganz oben in die letzte Reihe sind wir gegangen", erinnert sich der heute 85-Jährige ganz genau. Ein Vierteljahr währte das Glück - dann musste Soldat Rix unter Tränen nach Russland ausrücken. Im November aber bekam er für die Hochzeit Sonder-Urlaub. Ilse stand in der Küche und hätte vor Schreck beinahe das Geschirr fallen gelassen, als ihr Paul mit den schönen blauen Augen plötzlich vor der Tür stand. "Ich wusste nicht, dass er kommt", sagt die Wentorferin. Paul betont: "Aber fragen, ob sie mich heiraten will, musste ich nicht. Wir waren uns einig." Der gemeinsame Sohn Helmut war schon unterwegs.

Am 13. November 1943 läuteten in der Reinbeker Maria Magdalenen Kirche die Hochzeitsglocken. Am morgigen Donnerstag ist das schon 65 Jahre her, aber Paul und sein "Mädchen" - wie er die 83 Jahre junge Ilse immer noch liebevoll nennt - sind unzertrennlich. Zur Feier der eisernen Hochzeit werden morgen etwa 40 Gäste erwartet. Sie sind in Ilse Rix' Geburtshaus an der Karlshöhe, in dem das Paar seit jeher wohnt, zum Empfang eingeladen. Allein die Familie ist groß: Im Laufe der Jahre hat Helmut Rix noch drei Geschwister bekommen, Rosemarie, Karl-Heinz und Evelyn. Inzwischen hat das eiserne Ehepaar acht Enkel und vier Ur-Enkel.

Neben der Familie spielte der Fußball im SC Wentorf für beide eine große Rolle. Paul, der nach dem Krieg 25 Jahre lang als Betriebshandwerker im Reinbeker St. Adolf-Stift gearbeitet hatte, kickte beim SCW im Mittelfeld, war Schiedsrichter und Jugendleiter. Ilse wusch die Trikots und trieb als Kassiererin des Vereins das Geld ein. Der Garten, in dem Paul ganz zu Beginn die Eiche gefällt hatte, war ebenfalls eine Leidenschaft. "Mutti hat alles rangeschleppt und Vati musste machen", erinnert sich Tochter Rosemarie. In dem Garten hat Paul seither noch so manchen Baum gefällt. Aber dafür ist aus dem zarten Spross von Pauls und Ilses Liebe inzwischen ein stattlicher Baum geworden.

"Aber fragen, ob sie mich heiraten will, musste ich nicht. Wir waren uns einig."

Paul Rix

( (dsc). )

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