Historie

Schwarzenbek: Weg vom Dorf zur Stadt war vorgezeichnet

Der Bahnübergang an der Compestraße in Schwarzenbek in den 1980er-Jahren vor dem Bau der Brücke. Die Stelle war ein Nadelöhr und eine Geduldsprobe für die Pendler. Wer vor der Schranke stand, musste Zeit mitbringen. Denn kaum war der Weg frei, senkten sich die rot-weißen Balken schon wieder für den nächsten Zug. Entlastung brachte erst die Europabrücke, die 1992 vom damaligen Bürgermeister Gerd Krämer eingeweiht wurde. Das Bild hat der Schwarzenbeker Bernd Meyer aus luftiger Höhe vom Stellwerk am Bahnhof aus aufgenommen.

Der Bahnübergang an der Compestraße in Schwarzenbek in den 1980er-Jahren vor dem Bau der Brücke. Die Stelle war ein Nadelöhr und eine Geduldsprobe für die Pendler. Wer vor der Schranke stand, musste Zeit mitbringen. Denn kaum war der Weg frei, senkten sich die rot-weißen Balken schon wieder für den nächsten Zug. Entlastung brachte erst die Europabrücke, die 1992 vom damaligen Bürgermeister Gerd Krämer eingeweiht wurde. Das Bild hat der Schwarzenbeker Bernd Meyer aus luftiger Höhe vom Stellwerk am Bahnhof aus aufgenommen.

Foto: Stadt Schwarzenbek / BGDZ

Seit dem Mittelalter begünstigt die Lage als Verkehrsknotenpunkt bereits Schwarzenbeks Entwicklung. Heute mehr als 16.500 Einwohner.

Schwarzenbek. Mehr als 16.500 Einwohner leben in der wachsenden Stadt mit der guten Bahnanbindung nach Hamburg und einer nahezu perfekten Infrastruktur in puncto Kinderbetreuung und schulischer Ausbildung – Tendenz wegen der zahlreichen Baugebiete steigend. Die prosperierende Kleinstadt am Rand des Sachsenwalds im Jahr 2020 ist kein Vergleich zu dem verschlafenen, ländlich geprägten Dorf aus dem Jahr 1870.

Damals wohnten gerade einmal 900 Menschen in 212 Haushalten, wie eine offizielle Zählung anlässlich einer neuen Gewerbeordnung ergab. Das Amtsrichterhaus war zu diesem Zeitpunkt bereits 100 Jahre alt. Nach Amtmännern wie Friedrich Wilhelm Compe (1751–1827) und Friedrich Seestern-Pauly (1789–1866) diente es von 1870 bis 1968 dem jeweiligen Amtsrichter als Wohnsitz.

Schwarzenbek wandelt sich vom Dorf zur Stadt

In dieser Zeit wurde die Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung gegründet, und Hans Schröder wandelte die ehemalige Hökerhandlung an der Compestraße in Schwarzenbek nach und nach in eine Gaststätte und ein Hotel um. In Schröders Hotel war vor der Jahrhundertwende auch Reichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898) gern zu Gast, dem seit 1871 der Sachsenwald gehörte. Bei seinen Ausritten machte er gern bei Familie Schröder Station, stärkte sich mit Bratkartoffeln und hielt ein Nickerchen.

Der Aufstieg des Fleckens am Waldrand ging langsam aber stetig voran. Noch um die Jahrhundertwende lebten gerade einmal 1500 Menschen in dem Ort. Der Weg vom Dorf zur Stadt – die Stadtrechte wurden Schwarzenbek 1953 mit damals 7000 Einwohnern verliehen – war aber vorgezeichnet. Denn bereits im Mittelalter genoss der Ort, der im Jahr 1291 erstmals im Beinamen des lauenburgischen Rittergeschlechts Wulf de Swartebeke erwähnt wurde, eine besondere Stellung.

Der Ort fiel Ende des 15. Jahrhunderts den Herzögen von Sachsen-Lauenburg zu, die zeitweilig im Schwarzenbeker Schloss residierten. Das herrschaftliche Amt Schwarzenbek war seit dem Jahr 1600 Anlaufstelle für 22 Amtsgemeinden.

1919 Einwohnerzahl auf knapp 2000 gestiegen

Mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der wachsenden Bedeutung Schwarzenbeks als Knotenpunkt war es nach und nach vorbei mit der bäuerlichen Struktur. Der einzig verbliebene große landwirtschaftliche Betrieb innerhalb der Stadt ist der von Rüdiger Steffen an der Uhlenhorst. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts kreuzten sich die Eisenbahnlinien Berlin-Hamburg und Schwarzenbek-Bad Oldesloe sowie die Fernstraßen nach Hamburg, Ratzeburg/Mölln und Berlin. Mit der guten Verkehrsinfrastruktur übernahmen nach und nach „Zugereiste“ die Führungsrollen in den Sozialstrukturen. Rund um die Lauenburger Straße entstand auch ein reges Geschäftsviertel.

1919 war die Einwohnerzahl bereits auf knapp 2000 gestiegen, dem Wachstum der Bevölkerung setzte auch die wirtschaftliche Not in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg kein Ende. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte neue wirtschaftliche Impulse. 1937 kam die rheinische Schraubenfabrik Bauer & Schauerte nach Schwarzenbek und brachte eigene Facharbeiter mit. So hielt das Industriezeitalter Einzug.

1964 entstand der neue Stadtteil Nordost

Im Bereich der Kollower Straße, Großer Schmiedekamp und Sachsenwaldring entstanden vor dem Zweiten Weltkrieg Werkswohnungen für den Rüstungsbetrieb. Nach den Plänen der Nationalsozialisten sollte das Dorf weiter industrialisiert werden und auf 30.000 Einwohner wachsen. Die Pläne landeten mit Beginn des Krieges in der Schublade.

Trotzdem wuchs Schwarzenbek wenig später explosionsartig: Infolge der Bombenangriffe auf Hamburg und der Flüchtlingswelle aus dem Osten zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Einwohnerzahl bis zum Jahr 1946 auf mehr als 5900 gestiegen – fast eine Verdreifachung gegenüber 1939. Die Flüchtlinge wurden in Baracken an der Grabauer Straße untergebracht, in denen vorher Zwangsarbeiter lebten. Anfang der 1950er-Jahre folgte massiver Wohnungsbau, der sich in mehreren Schüben bis heute fortsetzt.

1964 startete das gewaltigste Bauprojekt in der Nachkriegszeit: Der neue Stadtteil Nordost rund um den heutigen Verbrüderungsring entstand mit 1000 Wohnungen, Kirchenzentrum und einem heute leer stehenden Ladenzentrum.

Aktuell neues Mehrgenerationenprojekt Dreiangel im Bau

Weiter ging es Anfang der 1990er-Jahre mit dem Baugebiet Mühlenkamp und 770 Wohnungen. In den vergangenen zehn Jahren sind große Baugebiete im Bereich Im Strange und nördlich der B 207 entstanden. Aktuell wird gegenüber dem Lupuspark das Mehrgenerationenprojekt Dreiangel mit fast 300 Wohnungen, einer Kita und einem Quartiersmanagement für betreutes Wohnen gebaut.

Ebenfalls neu entstanden ist zur Jahrtausendwende als zweites Einkaufszentrum neben Ritter-Wulf-Platz und Lauenburger Straße der Lupuspark auf dem Gelände des Bundesgrenzschutzes, der von 1972 bis Mitte der 1990er-Jahre dort einen Kasernenstandort hatte. Rund um die Einzelhandelsgeschäfte und den Hagebau-Markt, der demnächst erweitert werden soll, entstand weiterer Wohnraum.

Nicht das größte, aber das am kontroversesten diskutierte Projekt wurde 2019 fertig gestellt. Nachdem die Stadt den Kaiserhof und den Jugendtreff (Markt 6 und 8) vor der Jahrtausendwende gekauft hatte, um Verfügungsgewalt über das zentrale Grundstück in der Innenstadt zu haben, ging eine langwierige Diskussion los.

2012 schloss Keksbäckerei Lembcke in Schwarzenbek ihre Pforten

Unter anderem wollte der Investor Frank Kiefaber ein Wohn- und Geschäftsgebäude bauen. Er resignierte angesichts der endlosen politischen Debatten. Letztlich kaufte die Raiffeisenbank Lauenburg das Ensemble und errichtete ein modernes Geschäftshaus. Auch wirtschaftlich ging es bergauf. Das Industriegebiet wurde entwickelt, die Werkshallen von Bauer & Schauerte übernahm Maschinen- und Werkzeugbauer Fette (heute LMT Group), als weiterer Großbetrieb siedelte sich später die Hauni-Tochter Universelle an.

Nicht ganz so hohe Gewerbesteuereinnahmen, dafür aber weit über die Stadtgrenzen hinaus reichende Bekanntheit, lieferte die Keksbäckerei Lembcke, die sich 1964 in Schwarzenbek ansiedelte und 2012 ihre Pforten schloss. Kekse der Marke gibt es noch, sie werden heute in Sachsen produziert. Die alten Fabrikhallen in Schwarzenbek wichen einem Wohnquartier.

  • Schwarzenbek in Zahlen:

16.551 Einwohner, fünf Partnerstädte (einschließlich dem chinesischen Haimen), 11,56 Quadratkilometer Grundfläche und 1227 Betriebe: Schwarzenbek ist eine prosperierende Mittelstadt und fast genau der geografische Mittelpunkt des Kreises Herzogtum Lauenburg. Deshalb finden auch viele überörtliche Veranstaltungen in der Europastadt statt.

Die Alterspyramide ist allerdings ein Thema. Von den gut 16.500 Einwohnern sind 3295 älter als 65 Jahre. Das führt zu einem hohen Bedarf an Angeboten und Pflegeplätzen. Aber auch die Integration ist ein wichtiges Thema in der Europastadt. Der Ausländeranteil liegt bei 12,39 Prozent (2065 Personen). Nach einer Auswertung der Stadtverwaltung leben Menschen aus 86 Nationen in Schwarzenbek.

Mit 329 Personen stellen den größten Teil die Türken, die kleinste Gruppe ist die der Kasachen mit 16 Personen. Für die jüngeren Bewohner der Stadt gibt es 1008 Kita-, Krippen- und Hortplätze. Verwaltet werden die Schwarzenbeker vom Rathaus am Ritter-Wulf-Platz mit 120 Beschäftigten