Abschlussfest

Kultursommer am Kanal mit neuen Formaten

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Marcus Jürgensen
Blauer Montag zum Abschluss des Kultursommer am Kanal im Möllner Stadthauptmannshof: Intendant Frank Düwel (M.) animiert die Gäste zum Mitsingen der Europahymne „Ode an die Freude“.

Blauer Montag zum Abschluss des Kultursommer am Kanal im Möllner Stadthauptmannshof: Intendant Frank Düwel (M.) animiert die Gäste zum Mitsingen der Europahymne „Ode an die Freude“.

Foto: Marcus Jürgensen

Nach vier Wochen endet der Kultursommer. Die Bilanz ist trotz Corona positiv: Viele neue Formate wurden ausprobiert.

Mölln. Es war wie ein Symbol: Kurz vor dem Ende des Abschlussfestes „Blauer Montag“ spann sich ein Regenbogen über den Innenhof des Möllner Stadthauptmannshofs (Hauptstraße 150). Etwa 100 Gäste waren gekommen, um traditionell den Abschluss des Kultursommers am Kanal zu feiern, der in diesem Jahr ein ganz anderer war. „Wir waren im Frühjahr schon sehr besorgt und haben uns gefragt, wie das Festivalprogramm unter den Bedingungen des Lockdowns funktionieren soll“, so Klaus Schlie, Präsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg, die das vierwöchige Kulturfestival veranstaltet.

Kreative Ideen statt Wehklagen und Lethargie

„Wir hatten damals schon Angst, dass alle in Wehklagen und Lethargie verfallen würden“, ergänzt Stiftungs-Vize Wolfgang Engelmann: „Dem war aber nicht so: Frank hat sofort die Hebel umgelegt.“ Mit Unterstützung von Kulturmanagerin Farina Klose, deren halbe Stelle für drei Jahre von der Aktivregion Herzogtum Lauenburg Nord e. V. mit Sitz in Mölln finanziert wird, wurde kurzfristig ein neues Programm konzipiert, das ohne Großveranstaltungen auskam und viele Events ins Internet verlegte. Aus dem Motto „Europa – Bilder und Klänge“ wurde so kurzerhand der „Kultursommer in den Wolken“.

50.000 Zugriffe auf Internetseite

„Wir hatten 50.000 Zugriffe auf unserer Internetseite, 6000 Klicks auf unsere Videos und auch unsere App wurde ein paar Hundert Mal heruntergeladen“, so Klose. 6000 Klicks für Musikvideos klingt nicht nach viel, wenn man aber bedenkt, dass „Beat’n’Dance“ mit seinen beiden ausverkauften Aufführungen in Schwarzenbek und Lauenburg im vergangenen Jahr knapp 600 Besucher zählte, relativiert sich die Zahl. „Wir sind nun digital auch für die nächsten Jahre gerüstet“, so Klose.

Einfacher Zugang zur Kultur

Beibehalten will Intendant Frank Düwel auch Formate wie den „Soundwalk“: Musiker komponieren Stücke für einen Ort, die im Internet heruntergeladen und von den Kultursommer-Besuchern bei einem Spaziergang vor Ort angehört werden können. Auch die „Kunst/Musik am Wegesrand“ wird als Format bleiben: Geschätzt 4000 Besucher haben Ausstellungen wir die „Allee der Kachelofenbäume“ in Fredeburg oder Konzerte wie den Lie­beslieder-Walzer von Johannes Brahms, den die klassischen Sänger Freja Sandkamm, Pauline Gonthier, Ljuban Zanovic und Tim Maas zur besten Wochenmarktzeit vom Dach des Schwarzenbeker Rathauses (wir berichteten) performten, gesehen. Von einer anderen Aktion berichtet Stiftungspräsident Schlie: Bei „Musik überm Gartenzaun“ mit Lorenz Stellmacher habe in Ratzeburg spontan eine Radfahrergruppe angehalten und zugehört.

„Kultursommer der Leckerbissen.“

Coronabedingt sei die Vielfalt der Angebote ebenso größer geworden, wie die Zahl der Menschen, die über die Events angesprochen werden konnten. Ein weiterer Aspekt für Schlie ist, mit den Aktionen den vom Lockdown besonders betroffenen Künstlern Perspektive und Honorare geboten zu haben. „Es war ein Kultursommer der Leckerbissen“, so Schlies Fazit, der vor allem die Einbindung von Jugendlichen in das Festival wie bei „Beat’n’Dance“ lobt: Seit elf Jahren entwickeln Intendant Frank Düwel und Schwarzenbeks Jugendpfleger Norbert Lütjens mit jungen Menschen alljährlich ein neues Programm mit Songs.

Das war in diesem Jahr zwar nicht möglich: Doch statt gemeinsam im Jugendzentrum, das zum Videostudio umgebaut wurde, probten die Darsteller zu Hause und kamen lediglich für das Aufnehmen der Videoclips an die Hans-Böckler-Straße 2 a. Für Coralie Hunger, Tim Seifert, Dima Ivanov und Aaron Eckert waren ihre Duette beim „Blauen Montag“ die ersten Auftritte vor Publikum.

Kultursommer 2021 widmet sich der Freiheit

„Am Ufer – die Freiheit“ lautet das Motto für den Kultursommer 2021, der am Sonntag, 5. Juni, in Büchen eröffnet wird. An der Büchener Kanalbrücke sollte das Festival bereits in diesem Sommer eröffnet werden, die Feier musste wegen der Kontakteinschränkungen jedoch ebenso wie die in Büchen mit den Schulen geplanten Aktionen abgesagt werden. „Das werden wir nachholen und die Büchener freuen sich bereits sehr darauf“, so Düwel, der neben Organisatoren und Teilnehmern auch die Mitarbeiter der Stadt- und Gemeindeverwaltung lobt: Angepasst an die von der Landesregierung verfügten Lockerungen wurde sehr schnell reagiert und Veranstaltungen wie das „Mittsommerfest“ am 21. Juni in Ratzeburg ermöglicht.

www.kultursommer-am-kanal.de