Umbau

Schwarzenbeks Friedhofskapelle wird zum Trauerraum

Bestatter Axel Möller lässt die alte Friedhofskapelle auf dem Neuen Friedhof zu einer modernen Trauerhalle umbauen inklusive Hygiene- und Abschiedsraum.

Bestatter Axel Möller lässt die alte Friedhofskapelle auf dem Neuen Friedhof zu einer modernen Trauerhalle umbauen inklusive Hygiene- und Abschiedsraum.

Foto: Marcus Jürgensen

Vor zwei Jahren hat Bestatter Axel Möller die fast 60 Jahre alte Kapelle übernommen, jetzt wird sie behutsam modernisiert.

Schwarzenbek. Für den symbolischen Preis von einem Euro hatte Bestatter Axel Möller die Kapelle auf dem „Neuen Friedhof“ vor fast zwei Jahren erworben. Wenn er gegen Ende des Jahres zu den ersten Trauerfeiern in die umgestaltete Kapelle einlädt, hat er fast 800.000 Euro investiert. Geld,, das die Kirche nicht hatte: Allein eine Grundsanierung hätte 70.000 Euro gekostet, die über die Friedhofsgebühren nicht erwirtschaftet werden konnten. Deshalb sprachen Möller und Pastor Andreas Schöer als Vorsitzender des Kirchengemeinderats bei der Vertragsunterzeichnung auch von einer „Win-Win-Situation“.

Axel Möller, dessen Großvater das Bestattungsinstitut Johannes Möller 1937 gegründet hatte, hatte eigentlich eine Erweiterung am Firmensitz an der Möllner Straße geplant, dafür wäre aber eine aufwendige Änderung des Bebauungsplans für das gesamte Gebiet notwendig gewesen. Da ist die Sanierung der alten Kapelle günstiger, auch wenn es einige Überraschungen gab. So wollte Möller eigentlich nur das Podest für den Altar am Ende des Saals entfernen lassen, doch dann stellte sich heraus, dass der komplette Estrich durch Feuchtigkeit Schaden genommen hat.

Fensterflächen verfügen nur über Einfachverglasung

Mittlerweile ist der neue Estrich geschüttet, alle Stromleitungen und Heizungsanschlüsse sind neu verlegt. Was noch weichen muss, sind die alten Lichtöffnungen mit Glasbausteinen. „Die haben nur eine Einfachverglasung“, sagt Möller und zeigt auf die Wände im Glockenturm: „Dort kann man noch sehen, wie vor allem im Winter das Schwitzwasser herunter gelaufen ist“, so der Bestatter.

Für den ehemaligen Kapellenraum hat Möllers Architekt Randolf Hergenhahn aus Kiel ein neues Raumkonzept entwickelt: Statt in Bankreihen sitzen die Besucher künftig auf Stühlen im Halbkreis. Der Platz für Ansprachen und die Aufbahrung des Sarges wechselte dafür von der Längs- an die Querseite, wo eine Leichtbauwand vor die Glasbausteine gesetzt wurde. So können künftig auch die auf der Empore sitzenden Gäste Trauerfeiern verfolgen.

Orgel, Klavier und Musikanlage sind künftig in einem ehemaligen Lagerraum oberhalb des Eingangs untergebracht – ebenfalls mit Blick in den Saal. Aus dem sind die alten, dunklen Holzpaneele verschwunden: Die neue Halle wird hell. Deshalb verschwindet auch die alte hölzerne Eingangstür zugunsten eines gläsernen Windfangs. Während die Glasbausteine im neuen Trauerraum durch raumhohe Fensterelemente und eine Tür ersetzt werden, ist für den Turm die Verkleidung durch Fassadenelemente eine Möglichkeit.

Trauerfeiern nur unter freiem Himmel

Wegen des Umbaus hatte Möller bisher den kleineren Abschiedsraum in einem Anbau der Kapelle für Trauerfeiern genutzt. „In Zeiten des Coronapandemie ist das nicht mehr möglich. Alle Trauerfeiern finden derzeit im kleinen Kreis unter freiem Himmel statt“, erläutert Möller.

Im zweiten Bauabschnitt soll dieser Abschiedsraum, der zurzeit als Lager dient, zum neuen Klima- und Hygieneraum umgebaut werden. „Für das Kühlaggregat fehlen jedoch noch Teile, die in Italien hergestellt werden. „Wann dort die Produktion wieder aufgenommen wird, kann noch niemand sagen“, so Möller. Der bisherige Klimaraum wird dann im dritten Bauabschnitt zum neuen Abschiedsraum umgestaltet.

Dann werden auch die sanitären Anlagen der Kapelle, die auch bisher schon von den Friedhofsbesucher genutzt werden, modernisiert. „Wir können auf Grund der baulichen Situation die Normen für eine behindertengerechte Toilette nicht erfüllen, aber sie wird auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sein.“

Saal auch für Lesungen und Konzerte nutzbar

Der neue Friedhof wurde im Jahr 1900 angelegt, jedoch erst 1963 wurde auch die Friedhofskapelle eingeweiht. Nach dem Verkauf an Möller wurde der Sakralbau am 29. Oktober 2018 durch Pröpstin Frauke Eiben entwidmet. Möller stellt die Kapelle aber weiterhin für Gottesdienste kostenfrei zur Verfügung, will dort auch Konzerte und Lesungen anbieten: „Die müssen natürlich zum Charakter des Ortes passen“, so der Bestatter.

Auch Mitbewerber können die Kapelle sowie Klima- und Hygieneraum buchen, müssen dafür wie in anderen kommunalen oder kirchlichen Einrichtungen eine Nutzungsgebühr entrichten. „Das hat auch bisher sehr gut geklappt“, sagt Möller. Er hofft, dass die Umbauarbeiten bis Ende des Jahres beendet sind..