Tabak-Krise

Schwerer Schock bei Hauni: 500 Mitarbeiter sollen gehen

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Thomas Voigt
Hinter dem Werkstor des Bergedorfer Traditionsbetriebes ist die Stimmung ganz düster: Jeder vierte Arbeitsplatz soll wegfallen, es mangelt an Aufträgen.

Hinter dem Werkstor des Bergedorfer Traditionsbetriebes ist die Stimmung ganz düster: Jeder vierte Arbeitsplatz soll wegfallen, es mangelt an Aufträgen.

Foto: Carsten Neff

Bergedorf. Jeder vierte Arbeitsplatz fällt bei der Hauni weg. Auch Universelle und Primary in Schwarzenbek müssen Stellen abbauen.

Bergedorf. Es ist ein Riesenschock für die 2000 Mitarbeiter der Hauni Maschinenbau AG in Bergedorf und die etwa 500 Arbeiter und Angestellten bei Primary und Universelle in Schwarzenbek: Bei Hauni in Bergedorf sollen in den kommenden Monaten etwa 500 Arbeitsplätze abgebaut werden, weltweit trennt sich die Körber AG von insgesamt 800 Mitarbeitern im Geschäftsfeld Tabak, dem unter anderem Hauni, Primary und Universelle angehören.

Mitarbeiter bei Betriebsversammlung informiert

Diese drastische „Neuausrichtung des Unternehmens auf die veränderten Marktverhältnisse beim Tabak“ haben die beiden Hauni-Geschäftsführer, Christopher Somm und Jürgen Spykmann, Dienstagnachmittag in einem bz-Redaktionsgespräch angekündigt. Vorangegangen war eine Betriebsversammlung, in deren Verlauf die Geschäftsführung die Mitarbeiter über die einschneidenden Maßnahmen informierte. Bereits Anfang Mai hatte der Vorstand der Körber AG in Hamburg von massiven strukturellen Problemen bei Hauni und den anderen Unternehmen der Tabaksparte gesprochen (wir berichteten).

Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent

„Wir rechnen mittel- und langfristig mit einem Umsatzrückgang von 35 bis 40 Prozent im Geschäftsfeld Tabak“, begründete Somm die nach seinen Worten unvermeidliche Entscheidung mit dem Ziel, das Geschäftsfeld langfristig zu sichern. Über die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze in Schwarzenbek machte er noch keine Angaben. Betroffen seien in den Unternehmen alle Abteilungen und Berufsgruppen, vom Handwerker über den Ingenieur bis zum Kaufmann.

Gesundheitstrend erreicht Märkte in Asien

„Der rückläufige Weltmarkt bei Tabak und Zigaretten schlägt uns die Beine weg“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende Somm. „Von den weltweit etwa 600 Zigarettenfabriken haben 15 ihre Stilllegung angekündigt.“ Ursachen seien der weit verbreitete Gesundheitstrend in den westlichen Ländern, der sich nun auch in den bisherigen Wachstumsmärkten Lateinamerikas und Asiens durchsetze.

Dem global führenden Anbieter von Technologie, technischem Service und Beratungsleistungen der internationalen Tabakindustrie habe das einen heftigen Schlag versetzt, bereits im Spätsommer 2014 sei es zu einem abrupten Auftragsrückgang gekommen, und das niedrige Niveau halte an. „Wir haben kaum noch Arbeit im Haus, das bekommt auch jeder mit“, schildert Spykmann.

Hoffen auf freiwillige Lösungen

Wann die ersten Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen erhalten, lässt sich laut Somm noch nicht absehen. Möglicherweise wird es noch in diesem Jahr sein. Zunächst steht die Auseinandersetzung mit den Arbeitnehmervertretern bevor. „Wir hoffen, dass wir einen großen Teil der Arbeitsverhältnisse mit Altersteilzeit und anderen freiwilligen Modellen lösen können“, sagt Christopher Somm. Denkbar seien auch Übernahmen durch andere Körber-Unternehmen. Derzeit arbeiten dort in Norddeutschland etwa 3600 Menschen.

Betriebsrat kündigt Widerstand an

Der Hauni-Betriebsratsvorsitzende Hubert Wollin kündigte bereits gestern Widerstand an: „Wir sind entsetzt, dass der Arbeitgeber nach zehn erfolgreichen Jahren und Spitzengewinnen so radikal vorgeht. Die Tabaksparte war immer der Gewinnbringer in der finanziell hervorragend aufgestellten Körber AG. Wir werden nicht akzeptieren, dass der Konzern uns in einer schwierigen Situation im Stich lässt. Betriebsrat und IG Metall kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Bergedorf.“