Azubimangel

Maurer und Elektroniker sind knapp

Schwarzenbek. Dem Handwerk geht der Nachwuchs aus. "Durch die demografische Entwicklung und die zurückgehenden Schulentlassungszahlen bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt", sagt Ulf Grünke von der Handwerkskammer Lübeck. Aktuell gebe es im Bereich seiner Kammer noch etwa 300 freie Stellen.

Grünke: "Früher war es umgekehrt, da gab es viele, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben." Seit etwa fünf Jahren habe sich die Entwicklung gedreht.

Auch in Schwarzenbek, wie Uwe Riewesell, Kreishandwerksmeister im Herzogtum Lauenburg und Bauunternehmer aus Müssen, beobachtet. "Es ist schwierig geworden, gute Auszubildende zu finden", sagt er. Allerdings habe sich die Situation seit letztem Jahr wieder etwas entspannt. "Vor zehn Jahren haben im Kreis etwa 65 Azubis eine Lehre in den Bauberufen angefangen", sagt er. Bis 2010 seien im Jahr nur noch etwa 30 Azubis in die Bauberufe gegangen. "Seit letztem Jahr haben wir wieder über 50", so Riewesell. 29 Azubis aus den Bauberufen haben ihre Ausbildung zuletzt erfolgreich durchgezogen und wurden jetzt von der Baugewerbe-Innung in Mölln freigesprochen.

Mit dabei war auch Riewesells Azubi Viktor Lang, der seit gestern als frisch gebackener Maurergeselle auf einer Firmenbaustelle im Schwarzenbeker Industriegebiet arbeitet. Abgesehen davon, dass er sich freut, die theoretische Prüfung mit einer Zwei und die praktische mit einer Eins gemeistert zu haben, kann er den Maurerberuf nur empfehlen. "Ich wollte das von Anfang an, wollte draußen arbeiten und etwas mit den eigenen Händen schaffen", sagt der 22-Jährige. Viele schreckten aber die harte körperliche Arbeit und die frühen Arbeitzeiten ab, so Riewesell über mögliche weitere Gründe für so wenig Zulauf in der Baubranche. Ob die Bezahlung bei der Entscheidung für oder gegen den Beruf eine Rolle spielt, weiß der Kreishandwerksmeister nicht. Riewesell: "Als Lehrling verdient man im Monat zwischen 600 und 1200 Euro brutto, als Geselle bekommt man zwischen 13 und 16 Euro brutto pro Stunde."

Das ist auf jeden Fall deutlich mehr als ein Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik verdient (als Azubi monatlich zwischen 400 und 600 Euro brutto, als Geselle zwischen 11 und 12 Euro brutto pro Stunde). "Ich glaube, ein wichtigerer Grund für die wenigen Bewerber liegt in unserer Branche in dem Ausbildungsrahmenplan", sagt Frank Günther von der Schwarzenbeker Firma Elektrotechnik Frank Günther, der das Nachwuchsproblem ebenfalls kennt. Viele Jugendliche würden an den Eingangsvoraussetzungen scheitern, obwohl sie eigentlich geeignet seien, nach und nach in dem Beruf Fuß zu fassen. "Ich denke, dass man diese Leute mit einer Stufenausbildung erreichen könnte", so Güther. Nach einer Lehre zum Elektroinstallateur könnten die Azubis sich noch zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik ausbilden lassen. Defizite in Mathe und Deutsch, die viele Schulabgänger mitbringen, muss so die Firma auffangen. "Wir nehmen bei uns gerne Hauptschüler, wissen aber von Anfang an, was wir von ihnen erwarten können und wo wir noch nachhelfen müssen", sagt Günther. Auch wenn die Bewerberzahlen zurückgegangen seien, hat sein Unternehmen mit dieser Strategie bisher immer seine drei Ausbildungsstellen im Jahr besetzt.