Umbau

Wo einst Richter urteilten, wohnen künftig Menschen

Schwarzenbek. Das Gebäude des alten Amtsgerichts wird für 2,3 Millionen Euro umgebaut. Es entstehen 17 Wohnungen für behinderte Menschen, Gemeinschaftsräume, ein Café und ein Bioladen. Der Umbau beginnt im September.

Große Sorgen hatten sich die Mitglieder des Heimatbund und Geschichtsvereins jahrelang um das alte Amtsgericht der Europastadt gemacht. Seit vor 22 Jahren das neue Gerichtsgebäude an der Möllner Straße gebaut wurde, stand der denkmalgeschützte Altbau an der Compestraße weitgehend leer. „Um das Haus zu retten, haben wir sogar mal eine Anfrage an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gestellt. Die hält das Gebäude für förderungswürdig“, sagt der Heimatbund-Vorsitzende Reinhard Wiese.

Die damalige Antwort der Stiftung hat jetzt Holger Rosenberg, Betriebsleiter der Behinderteneinrichtung auf Gut Lanken, die neuer Besitzer der Immobilie an der Compestraße ist. Das Haus mit angebauten Gefängnistrakt soll nach einem Umbau 17 Appartements für behinderte Menschen, Gemeinschaftsräume sowie ein Café und einen Laden für die Bioprodukte von Gut Lanken beherbergen. Finanziert wird der 2,3 Millionen Euro teure Umbau unter anderem durch einen Zuschuss in Höhe von 203.000 Euro der Aktivregion Sachsenwald-Elbe (wir berichteten). Mit dem Alten Amtsgericht und dem Familienzentrum der evangelischen Kirche kann die Europastadt bereits zwei besonders förderungswürdige „Leuchtturmprojekte“ vorweisen.

„Wir kannten die Umbaupläne bisher auch nur von der Vorstellung im zuständigen Ausschuss der Stadt, haben deshalb den Kontakt gesucht, denn wir freuen uns natürlich, dass das Haus erhalten bleibt“, sagt Wiese. Gemeinsam werden der Heimatbund und die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Gut Lanken am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, das historische Gebäude der Öffentlichkeit vorstellen. Das ist die letzte Möglichkeit das Haus zu betreten, denn gleich danach beginnen die Umbauarbeiten, nachdem auch die Denkmalpflege eine Aufstockung des Dachgeschosses genehmigt hat.

Für den Tag des offenen Denkmals sucht der Heimatbund noch alte Fotos und Briefe. „Vielleicht ja auch von einstigen Gefängnisinsassen“, sagt Wiese. Und Gut Lanken sucht für die Wiedereröffnung noch eine alte Ladeneinrichtung und ein Foto der alten Haustür. „Die wollen wir nämlich nachbauen lassen“, so Barbara Hollmann, Bereichsleiterin auf Gut Lanken.