Public Viewing

Hohe Hürden fürs Fußballgucken

Gülzow (cus). Deutschland-Fähnchen, Public-Viewing, Auto-Korso und Sonnenschein - obwohl es für die Fußball-Nationalmannschaft am Ende "nur" zu einem dritten Platz reichte (3:1 gegen Portugal), gilt die Heim-WM im Jahr 2006 vielen als das "Sommermärchen".

Auch in Gülzow wurde damals gefeiert: In der neu errichteten Feuerwehrhalle liefen die Spiele auf einer Großbildleinwand.

Die Euphorie von damals hat sich mittlerweile etwas gelegt. Dennoch werden wieder mehr als 100 Dorfbewohner am heutigen Abend im Gerätehaus an der Hauptstraße 21 "Jogis Jungs" die Daumen drücken, wenn sie gegen die Italiener um den Einzug ins Finale der EM kämpfen. "Unsere Zielsetzung war nicht, Umsatz zu machen. Wir wollen ein Angebot für die Leute im Ort schaffen, vor allem für die Jüngeren. Das ist auch aufgegangen", sagt Feuerwehrchef Andreas Diersen. Die Veranstaltung hat aber auch den Zusammenhalt der Vereine gestärkt: Unter dem Dach der Gemeinde, die als Veranstalter fungiert, sorgen Freiwilllige Feuerwehr, DRK, Schützenverein, Tennisclub, Bühne Gülzow, Kirchengemeinde, Sportverein sowie die in der Gemeindevertretung vertretenen Parteien reihum für die Bewirtung der Gäste.

Damit die Gülzower gemeinsam Fußball gucken können, war zuvor ein hoher bürokratischer Aufwand notwendig, den die Amtsverwaltung der Gemeinde abgenommen hat. Denn der europäische Fußballverband Uefa hat die Erlaubnis zur Übertragung an strenge Auflagen geknüpft: Gebührenfrei ist so ein "Public Screening" nur, wenn die Diagonale der Leinwand weniger als drei Meter misst, der Raum maximal 150 Besucher fasst und keine Einnahmen durch Eintrittspreise oder Sponsoring erzielt werden.

Ganz umsonst ist die Übertragung dennoch nicht: Weil die Fußballspiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD und ZDF) gezeigt werden, wird die GEZ-Gebühr fällig - für Juni und Juli jeweils 17,98 Euro. Und auch die Gema will ihren Anteil, weil vor dem Anpfiff die Nationalhymnen beider Teams gespielt werden.