Überfall

Kraftstoffdiebe verkleben Trucker den Mund

Foto: Jens Burmester

Schwarzenbek. Unbekannte Männer haben auf dem Rastplatz Roseburg an der A 24 einen Lastwagen-Fahrer überfallen und ihm die Lippen mit Sekundenkleber verklebt. Jetzt liegt der Schwerverletzte im Krankenhaus. Die Männer wollten Diesel aus dem Tank abzapfen.

Angesichts der hohen Spritpreise schrecken Diebe offenbar auch vor großer Brutalität nicht mehr zurück: Auf dem Parkplatz an der Autobahn 24 bei Schwarzenbek haben Kraftstoffdiebe einen Lastwagenfahrer überfallen, ihn bewusstlos geschlagen und ihm den Mund mit Sekundenkleber verklebt. Offenbar wollten die Spritdiebe damit verhindern, dass der Trucker um Hilfe schreit. Der Mann liegt jetzt schwer verletzt im Krankenhaus. Und das alles nur, weil die Täter Diesel aus dem Kraftstofftank des Berufskraftfahrers abpumpen wollten.

„So eine brutale Tatausübung ist uns bisher noch nicht untergekommen“, erklärt Sonja Kurz, die Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der 45 Jahre alte Lkw-Fahrer aus Berlin am Mittwochabend seinen Lastwagen auf dem Parkplatz Roseburg zwischen den Anschlussstellen Talkau und Hornbek in Fahrtrichtung Berlin abgestellt und sich in seiner Kabine schlafen gelegt, um die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit einzuhalten.

Gegen 1 Uhr in der Nacht wachte der Mann auf, weil er an seinem Laster merkwürdige Geräusche hörte. „Als er nachsah, entdeckte er einen Mann, der gerade dabei war, den Tankdeckel seines Lkw aufzubohren“, berichtet Sonja Kurz. Der Trucker ging auf den mutmaßlichen Kraftstoffdieb zu und wollte ihn stellen. Plötzlich bekam er von hinten einen Schlag auf den Kopf. „Der Berliner wurde bewusstlos und kam erst viel später wieder zu sich. Da lag er abseits des Parkplatzes in einem Knick“, berichtet Polizeisprecherin Kurz.

Der niedergeschlagene Trucker rappelte sich benommen auf, konnte aber seinen Mund nicht mehr öffnen und daher weder um Hilfe schreien, noch selber einen Notruf absetzen. Der 45-Jährige schrieb für einen Kollegen, der ebenfalls auf dem Rastplatz Pause machte, eine Nachricht auf den Zettel – der rief dann gegen 3.10 Uhr die Polizei.

Weil die Beamten der nahen Autobahnpolizeistation Talkau gerade bei einem anderen Einsatz gebunden waren, rückten Schwarzenbeker Polizisten aus. Die Besatzung eines Rettungswagens kümmerte sich um den Schwerverletzten und brachte ihn in ein Krankenhaus. Erst in der Klinik konnten die zugeklebten Lippen wieder geöffnet werden. Außer den schweren Verletzungen durch den Kleber am Mund hat der Berliner auch eine Gehirnerschütterung und Schürfwunden davon getragen.

Die Polizei versucht jetzt, die brutalen Diesel-Diebe zu ermitteln. „Vermutlich wird das schwierig, wir hoffen aber auf Zeugen, denen in der Nacht im Bereich des Rastplatzes verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind“, so Sonja Kurz. Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (04541) 80 90 bei der Kriminalpolizei in Ratzeburg zu melden.

Die Beamten ermitteln wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzungen und des versuchten besonders schweren Diebstahls. Denn nach den bisherigen Ermittlungen wurden weder Kraftstoff noch andere Sachen aus dem Lastwagen des 45-Jährigen gestohlen. „Der Fahrer konnte zunächst außer seinen Notizen keine Angaben machen, allerdings wurden die Bohrversuche am Tankdeckel festgestellt“, erklärt Kurz.