Tierzucht

Bei Ines Tretau fühlen sich die Schweine sauwohl

Foto: Anne Passow / Passow

Kollow. Kein Platz, kein Sonnenlicht, kein gutes Futter – viele Schweine, Rinder und Hühner wachsen so auf, bevor sie als Schnitzel oder Wurst auf den Tellern landen. Für Landwirtin Ines Tretau war von Anfang an klar, dass sie das für ihre Tiere nicht will. Für sie ist artgerechte Haltung Trumpf.

Die Sauen, Ferkel, Legehennen, Enten, Gänse und Puten der 44-jährigen Landwirtin Ines Tretau werden artgerecht gehalten. Vor 15 Jahren stellte ihre Familie – damals wurde der Hof von ihren Eltern geführt – auf artgerechte Tierhaltung um und trat dem Neuland-Verbund bei. Der Hof ist damit, neben zwei weiteren in Wangelau und Hohnstorf, einer der wenigen, die sich dafür entschieden haben.

„All zu viele Höfe, die freiwillig nach bestimmten Richtlinien artgerecht halten, gibt es nicht“, bilanziert Ines Tretau. Ihr ist auch klar, warum das so ist. „Es ist mühsam, davon zu leben. Wenn meine Eltern hier nicht immer noch mitarbeiten würden, würde das gar nicht gehen.“ Schließlich brauchen die Tiere nach den Neuland-Richtlinien viel mehr Platz und Auslauf sowie teureres Futter als in der konventionellen Tierhaltung. „Das macht das Fleisch am Ende natürlich fast doppelt so teuer – nicht jeder will das bezahlen“, so Tretau.

Und dann erzählt sie, wie es zu der Umstellung kam. „Unsere Tiere hatten schon immer etwas mehr Platz als vorgeschrieben. Vor 15 Jahren standen wir dann vor der Entscheidung, entweder weiter konventionelle Landwirtschaft zu betreiben oder unsere Tiere nach bestimmten Richtlinien artgerecht zu halten und dafür ein Siegel zu bekommen“, so Tretau. Die Umstellung bedeutete für Tretaus Familie erst mal Investitionen von etwa 10.000 Euro. So mussten die Boxen für die Sauen von fünf auf etwa sieben Quadratmeter vergrößert werden. Das Futter durfte kein Soja mehr enthalten, weil der Import dieses Getreides dazu führt, dass in anderen Ländern mehr Regenwald abgeholzt wird.

„Soja im Futter mussten wir durch Kartoffeleiweiß ersetzen, das wird hier hergestellt und ist also viel umweltverträglicher“, sagt Tretau. Auch reichte es nicht mehr, dass die tragenden Sauen nur tagsüber an die frische Luft kamen. „Wir mussten ermöglichen, dass sie ständig raus können, wenn sie das wollen“, erläutert Tretau. Außerdem wird darauf geachtet, dass die Tiere auf Stroh statt auf Betonspalten stehen und dass die Ferkel bei der Kastration betäubt werden. „Die Kastration ist ein normaler Vorgang für Tiere, die später geschlachtet werden. Sonst schmeckt das Fleisch von ihnen nachher nicht“, erklärt Tretau.

Warum nahm die Familie all diese Umbauten und Kosten auf sich? „Aus Überzeugung. Für mich persönlich ist das eine Lebensphilosophie“, sagt Tretau, die den Hof seit nunmehr zehn Jahren führt. „Wir geben viel zu wenig für Nahrungsmittel aus, dabei hängt davon doch ein guter Teil unserer Gesundheit ab“, sagt Ines Tretau. „Dass Chicken-Nuggets mal lebende Hühner waren, wissen heute viele Kinder gar nicht.“

Wenn ihre Ferkel 30 Kilo wiegen, also nach etwa elf Wochen, gibt Tretau die Tiere an einen Mastbetrieb. Geschlachtet werden sie später in Bad Bevensen. Beide Betriebe arbeiten ebenfalls nach Neuland-Richtlinien.