Jugendtreff

Wer Ärger macht, fliegt raus

Schwarzenbek (cus). Mehr als 13 000 Besucher in den Einrichtungen der Stadtjugendpflege sprechen eine deutliche Sprache: Allein der Jugendtreff zählte 7545 Besuche von Jugendlichen, das sind im Durchschnitt 33 pro Öffnungstag.

Ins Holzhaus im Stadtteil Nordost kamen 5605 Besucher. "Jeder Besucher wurde nur einmal gezählt, auch wenn er mehrmals am Tag die Einrichtung besuchte", sagt Jugendpfleger Norbert Lütjens.

Die größte Gruppe am Markt 6 stellen männliche Jugendliche ab 18 Jahre (32 Prozent), gefolgt von Mädchen bis 12 Jahre (23 Prozent) und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren (21 Prozent). Ähnlich sieht es im Holzhaus aus. Hier stellen Mädchen gerade einmal 21 Prozent der Besucher. Nicht mitgezählt hat Lütjens Veranstaltungen wie nächtliche Fußballturniere, Konzerte, Ausstellungen und Tanzvorführungen während des Kultursommers am Kanal, das Stadtteilfest am Grover Weg oder die Wahlparty für den Kinder- und Jugendbeirat mit insgesamt noch einmal rund 2800 Besuchern. Damit hat der 41-Jährige die Besucherzahlen mehr als verdreifacht: Vor seinem Amtsantritt im Jahr 2009 besuchten 4017 Kinder und Jugendliche die Einrichtungen.

Doch nicht alle sind mit Lütjens' Arbeit zufrieden. Im Juli 2011 kam es zu einem massiven Rückgang: Nur noch 73 Besucher wurden im gesamten Monat gezählt. Hintergrund ist ein einjähriges Hausverbot, mit dem eine Gruppe von Jugendlichen belegt wurde. Mitte des Jahres hatte es zunächst einen Einbruch in den Treff am Markt 6 gegeben, bei dem gezielt in Schränken gelagerte Kameras, TV-Geräte, Spielekonsolen sowie Bargeld entwendet wurden. Im weiteren Verlauf eskalierte die Situation zwischen den Jugendlichen: Eine Gruppe drohte anderen Besuchern Schläge an. "Wir haben darauf mit einer Null-Toleranz-Strategie reagiert und erstmals Hausverbote ausgesprochen", sagt Lütjens. Daraufhin richtete sich der Zorn der Jugendlichen gegen den Jugendpfleger und dessen Mitarbeiter: Sie wurden bedroht, Autoreifen zerstochen und Fenster im Gebäude eingeworfen. Drei Jugendliche müssen sich deshalb demnächst vor Gericht verantworten.

Als Konsequenz blieb der Jugendtreff zunächst leer, jedoch nicht für lange: Bereits im August kamen wieder 686 Besucher in das Haus. Im November waren es sogar 902. Lütjens: "Wir sind auf die Straße gegangen und haben gegenüber den Jugendlichen unsere Haltung begründet."

Statt auf reine Freizeitpädagogik setzt Lütjens auf Projektarbeit mit den Jugendlichen: So wird es auch in diesem Jahr wieder ein Projekt im Rahmen des Kultursommers geben. Außerdem gibt es regelmäßige Tontechniker- und Musikkurse sowie ein Kulturrallye, die Jugendliche im vergangenen Jahr in Hamburger Museen und Theater führte. Aktuell wird gemeinsam mit Jugendlichen am Konzept für den neuen Treffpunkt in der Compeschule gearbeitet. Lütjens' Fazit: "Es hat sich etwas verändert und wir ernten jetzt die ersten Früchte. Wir haben eine tolle Atmosphäre, unsere Angebote sind zeitgemäß, machen allen Beteiligten Spaß, und wir kriegen auch neue Gruppen ins Haus."

"Wir haben mit einer Null-Toleranz-Strategie reagiert und erstmals Hausverbote ausgesprochen."

Norbert Lütjens, Stadtjugendpfleger