Porträt

Müllmann aus Leidenschaft

Bergedorf (stri). Fast 38 Jahre lang war er bei der "Mülle" - heute wird Peter Ahrens bei der Stadtreinigung am Kampweg verabschiedet.

Und seinen jungen Kollegen kann der 63-Jährige viele Döntjes erzählen. Als er bei der Müllabfuhr anfing, mussten noch die schweren Eiseneimer aus den Kellern geholt werden. "Die schlimmste Tour war an der Holtenklinker Straße, wo es zwei Kellertreppen gibt." Außerdem musste Ahrens erst mal das "Trudeln" lernen: Die Eiseneimer waren so schwer, dass sie - am Griff gepackt - drehend über die Straße zum Müllwagen bugsiert wurden. Und was da alles drin war! Mülltrennung war noch ein Fremdwort, Ölkanister und Farbeimer landeten regelmäßig in den Tonnen, die dann zur Verbrennung an die Borsigstraße gebracht wurden. Der Sperrmüll kam nach Georgswerder, ganz runter in die Grube - wo heute der riesige Müllberg ist!

Nach drei Jahren - genau in der Laubzeit - setzte sich Peter Ahrens auf die Kehrmaschine, "aber das war nix für mich, nur eintönig am Kantstein lang fahren". Und so sattelte er um: "15 Jahre lang hab ich dann Papierkörbe gemacht, knapp 300 am Tag", erzählt Ahrens, der anschließend zum Vorarbeiter wurde und für vier Kollegen "am Besen" verantwortlich war. Erst waren sie im Villengebiet unterwegs, zuletzt für Neuallermöhe eingeteilt. Aber im Villengebiet sei es besser gewesen. Da war es sauberer, die Leute grüßten freundlich, und zur Weihnachtszeit standen - wie auch im Landgebiet - Schnapsflaschen neben den Mülltonnen.

Ahrens, der in knapp 38 Jahren die Neuerungen von fünf Chefs ertragen musste, war auch immer zur Stelle, wenn alle kalte Füße bekamen. So etwa bei der Schneekatastrophe 1978/79, als die Schneeberge auf dem Frascatiplatz und bei der Schule am Ladenbeker Weg getürmt wurden. "26 Jahre lang habe ich Winterdienst gemacht. Das waren 24 Stunden Dienst am Stück - und Kaffee satt", sagt der kräftige Mann.

Jetzt, meint er, habe er sich Ruhe verdient. Schließlich wollen seine beiden Hunde daheim in Reinbek ausgeführt werden. Und das dreijährige Enkeltöchterchen freut sich auf einen ausgeschlafenen Opa.