Stadtplanung

100 Jahre Streit um den Kaiserhof

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Dr. William Boehart und Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Mitunter holt die Geschichte die aktuelle Entwicklung wieder ein. Seit vielen Jahren diskutieren die Stadtpolitiker, was die ideale Lösung für das Ensemble "Kaiserhof" und Jugendtreff am alten Markt in Schwarzenbek ist.

1898 brannte die Gastwirtschaft "Deutsches Haus" am heutigen Markt ab. Schon damals ging es um die Frage: Einebnen oder wieder aufbauen.

Bei einer gemeinsam von der CDU und unserer Zeitung initiierten Umfrage sprach sich eine Mehrheit für den Abriss aus.

Andererseits gibt es einen Investor, der große Pläne mit den historischen Gebäuden hat. Er will beide entkernen, sanieren und mit einem lichtdurchfluteten Glasbau verbinden. Da er allerdings einen Kindergarten im Obergeschoss des Jugendtreffs plante, der vom Kreis nicht genehmigt werden würde, musste er sein Konzept ändern. Die aktuelle Variante hat er den Politikern gestern Abend bei einer interfraktionellen Sitzung hinter verschlossenen Türen vorgestellt.

Aber so aktuell die jetzt anstehende Entscheidung auch ist. Die Frage, was die beste Lösung für den Markt ist, erhitzte die Gemüter in Schwarzenbek schon vor 100 Jahren. Denn 1898 brannte das ehemalige Anwesen des Schwarzenbeker Bauervogtes, inzwischen eine Gastwirtschaft mit dem Namen "Deutsches Haus", ab. "Es entbrannte eine städtebauliche Diskussion in der Gemeinde über einen möglichen Neubau. Es gab Stimmen in der Gemeindevertretung - allen voran der Zeitungsverleger Hermann Lorenz -, die dafür plädierten, das ganze Areal freizulegen, um einen schönen großen Marktplatz entstehen zu lassen", sagt Historiker und Stadtarchivar Dr. William Boehart. Diese Maßnahme hätte auch das Verkehrs-Nadelöhr Markt/Compestraße beseitigen können. Eine Frage, die auch heute einer der Knackpunkte bei der Nutzung der Gebäude ist, weil der Gehweg an der schmalsten Stelle nur 87 Zentimeter misst.

Die Gemeinde entschied anders. Die Bauwirtschaft setzte sich in der Gemeindevertretung durch, zumal die Post einen Neubau beabsichtigte. Sie war bis dahin in der ehemaligen Oberförsterei (heute: Seniorenresidenz Oberförsterei) untergebracht und somit denkbar schlecht gelegen für das Geschäftsviertel um die Lauenburger Straße.

So entstanden nach 1903 zwei Neubauten auf dem großen Areal: das neue "Deutsche Haus" (später "Kaiserhof") und die Kaiserliche Post (heute: Jugendtreff). Dr. Boehart: "Als Mittelpunkt des Ortes hat das ehemalige Gründstück des Bauernvogtes eine besondere Bedeutung. Historisch betrachtet gibt es sowohl für die Nutzung als Marktplatz, aber auch für die Bebauung gute Argumente. Die Entscheidung für die Politiker wird mit Sicherheit nicht leicht." Passieren muss allerdings etwas. Der bauliche Zustand der Häuser ist schlecht. In den kommenden Jahren müssten sie saniert werden. Das würde wohl um die drei Millionen Euro kosten - Geld, das die Stadt nicht hat.