Bahnhofs-Aufzüge

"Wir mussten noch nie eine Oma retten"

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Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Die Handgriffe sitzen - routiniert öffnet ein Feuerwehrmann die Klappe am Fahrstuhlschacht, schaltet den Aufzug auf Notbetrieb und lässt die Kabine mit den darin fest sitzenden Mädchen nach oben fahren.

Fünf Mal musste die Feuerwehr im Vorjahr anrücken: Sind die Fahrstühle störanfällig oder werden sie mutwillig beschädigt?

So geschehen am 4. Januar (wir berichteten). Die Routine kommt nicht von ungefähr - im Vorjahr mussten die Retter sogar fünf Mal ausrücken, um in den beiden Aufzügen festsitzende Menschen zu befreien.

"Wieso macht das die Feuerwehr, die Bahn hat doch einen Notdienst", ist nicht nur Bauamtsleiter Ralf Hinzmann irritiert. Den gibt es tatsächlich: "Wenn jemand im Fahrstuhl den Notfall-Knopf drückt, wird er mit unserer Servicezentrale im Hamburger Hauptbahnhof verbunden", sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Umgehend werde dann der Servicetechniker einer der örtlichen Firmen alarmiert, mit denen die Bahn einen Vertrag hat. "Wenn der jedoch etwa am Wochenende schon im Einsatz ist und die Anfahrt zu lange dauert, wird die Wehr alarmiert wird. Oder die eingeschlossenen Fahrgäste rufen gleich per Handy die Feuerwehr, dann muss sie natürlich auch ausrücken", so Meyer-Lovis.

Dass die beiden im Jahr 2005 in Betrieb genommenen Aufzüge besonders störanfällig sind, bestreitet Meyer-Lovis. Als Grund für die häufigen Einsätze der Feuerwehr vermutet er eine "unsachgemäße Bedienung" durch die Benutzer. Durch wildes Herumspringen lasse sich der Fahrstuhl zwar noch nicht außer Betrieb setzen, doch es gebe andere Tricks. Meyer-Lovis: "Der Bahnhof ist nach wie vor ein Schwerpunkt im Bereich Vandalismus. Es vergeht keine Woche, in der die Aufzüge nicht wegen Schäden gesperrt werden müssen." Mal wurden Teile in die Mechanik gesteckt, mal die Kabine als Toilette missbraucht, bittet der Bahnsprecher um Verständnis und verstärkte Aufmerksamkeit der Bahnhofsbesucher.

Ob die Einsätze der ehrenamtlichen Retter auf Vandalismus beruhen, vermag Feuerwehrchef Martin Schröder nicht zu sagen. Fakt ist jedoch: "Wir holen nur Jugendliche aus dem Aufzug, mussten noch nie eine Oma mit schweren Koffern retten." Die Aufzüge wurden von der Stadt im Jahr 2001 auf eigene Rechnung angeschafft, doch es dauerte vier Jahre, bis sie im Sommer 2005 endlich in Betrieb gehen konnten. Für Wartung und Pflege ist die Bahn AG zuständig.