Gesundheitshilfe

Eigenständig leben trotz Behinderung

Schwarzenbek (sts). Eine bisher kaum beachtete Gesetzesregelung soll Menschen mit Behinderung das Leben leichter machen. Seit fast einem Jahr können sie ein persönliches Budget beantragen und die Hilfe, die sie benötigen, selbst organisieren.

"Menschen mit psychischer oder Körperbehinderung haben gute Chancen, mit dem neuen Angebot glücklicher zu leben", sagt Angelika Köster-Krohn, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte aus Kiel.

Der hatte jetzt mit dem Fachdienst Eingliederungs- und Gesundheitshilfe der Kreisverwaltung zur Information über die Neuregelung ins Schwarzenbeker Rathaus eingeladen. Grundsätzlich darf jeder Betroffene einen Antrag stellen, braucht dafür nicht einmal geschäftsfähig zu sein. Köster-Krohn: "Es besteht ein Rechtsanspruch auf ein Budget".

Wie hoch es ausfällt, richtet sich nach dem Preis für Sachleistungen, die dem Behinderten zustehen. Diese Summe ist die Obergrenze für das Budget. Im Gespräch stellt die Kreisverwaltung fest, welche Hilfen dem Betroffenen zustehen. Das Geld fließt direkt an den Behinderten, der sich sein individuelles Hilfepaket zusammenstellt und gegenüber Haushaltshilfen oder Pflegediensten als Arbeitgeber auftritt.

Voraussetzung für das Budget ist, dass der Betroffene Ziele definiert, die er in festgelegten Zeiträumen erreichen will. Gelingt dies nur teilweise, ist der Behinderte dafür verantwortlich und muss einen Teil des Budgets zurückzahlen. Hilfeplaner der Kreisverwaltung kontrollieren, ob die gesetzten Ziele erreicht werden und fordern Quittungen für die Ausgaben.

Eine Rückkehr zu den sogenannten Sachleistungen ist möglich, falls der Schritt in die Eigenständigkeit misslingt.

Gerade für Behinderte, deren Schulzeit endet, eröffnet das persönliche Budget die Möglichkeit, Assistenten zum Lebensunterhalt stundenweise einzustellen und eventuell in einer gewöhnlichen Firma einen Beruf zu erlernen, statt im Heim mit angeschlossener Behindertenwerkstatt zu leben.