Weihnachten

Das wird die nächste Alster-Tanne

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Stefan Huhndorf

Sie spendete Schatten für die Kinder, als diese noch klein waren und in der Karre lagen. Sie war ein lauschiges Plätzchen an dem Ingrid und Erich Thiel in den Sommermonaten ihr Frühstück im Schatten der ausladenden Äste genossen. Aber jetzt ist die schön gewachsene Schwarzwaldtanne mit 22 Metern einfach zu hoch für den kleinen Reihenhausgarten am Verbrüderungsring 20a.

1972 war die Tanne 40 Zentimeter hoch, heute misst sie 22 Meter - zuviel für den Garten.

Sie wird am kommenden Donnerstag gefällt und auf einem Ponton an der Binnenalster als Weihnachtsbaum aufgestellt (wir berichteten).

"Der Baum ist kerngesund, aber bei Sturm machen wir uns schon hin und wieder Sorgen", sagt Erich Thiel, der den Nadelbaum im Frühjahr 1972 in der hinteren Ecke des Gartens pflanzte - direkt an den Garagen der kleinen Siedlung.

Als seine Schwiegermutter das Bäumchen vor 36 Jahren als verspätetes Einzugsgeschenk mitbrachte - die Thiels waren 1970 in den Neubau am Verbrüderungsring gezogen - maß es gerade mal 40 Zentimeter. Als Tochter Carolin-Isabell vor 32 Jahren geboren wurde, spendete der Baum schon Schatten für den Kinderwagen. Später spielte sie mit ihrem Bruder Christian (38) unter der Tanne.

Für die Thiels wurde er mit der Zeit zu einem ganz besonders lauschigen Plätzchen. Erich Thiel hat die unteren Äste bis in eine Höhe von etwa 2,50 Metern entfernt und so eine Art natürlichen Pavillon geschaffen. Im Sommer spenden die ausladenden Äste Schatten - ein idealer Platz zum Entspannen. "Ein bisschen traurig ist es schon. Wir haben oft morgens unter dem Baum gefrühstückt. Aber das ist ein würdiger Abgang", sagte Ingrid Thiel.

Erstmals hatte sich das Ehepaar vor sechs Jahren über die Zukunft des grünen Riesen Gedanken gemacht, als die Stadt vor sechs Jahren einen Christbaum für den Markt suchte. Das Fällen war den Verantwortlichen dann aber doch zu teuer, weil der Baum mit einem Telekran vom Grundstück über die Garagen gehoben werden muss. Jetzt bewarben sich die Thiels bei der Stiftung Binnenalster. "Es gab einen Konkurrenten. Wir haben letztlich den Zuschlag bekommen", sagt der pensionierte Bauleiter.

Am kommenden Dienstag werden Fachleute den Baum fällen, während er bereits am Kran eingehängt ist. Dann wird er über das Garagendach auf einen Tieflader verfrachtet, der ihn zur Binnenalster bringt. Die Polizei wird während der Arbeiten den Verbrüderungsring in diesem Bereich sperren. Bis zum 25. November wird er dort auf einem Ponton aufgestellt und geschmückt, dann kommt der große Tag für die Thiels. "Wir dürfen das Licht anschalten und werden in der Vorweihnachtszeit jede Woche in die Stadt fahren, um Abschied von unserem Baum zu nehmen", kündigt der 66-Jährige an.