Wenn der Forst zum Urwald wird

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Marcus Jürgensen

Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker waren auch interessiert, konnten angesichts der hohen Ausgaben für altes und neues Gymnasium jedoch nicht mitbieten: Für drei Millionen Euro hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein den Rülauer Forst von einer vierköpfigen Erbengemeinschaft erworben.

Das 300 Hektar große Waldgebiet im Süden der Stadt soll für Spaziergänger offen bleiben.

"Unser Ziel ist es, den Wald aus seiner forstlichen Nutzung heraus zu nehmen und in einen Urwald zurück zu verwandeln", sagt Stiftungs-Pressesprecher Thomas Voigt. Ziel sei es, das Gehölz für künftige Generationen zu erhalten. Einen Zaun um die Naturschutzfläche, die zum größten Teil zur europäischen Schutzgebietskulisse Natura 2000 zählt, sei nicht vorgesehen, versichert Voigt: "Wir wollen den Wald weiter für Bürger offen halten, Walderlebnisse schaffen, in denen die Menschen zusehen können, wie sich dort Leben entwickelt."

Dafür wird die forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt: Lediglich nicht heimische Bäume wie Sitkafichte oder Douglasie werden in den nächsten 20 Jahren gefällt und Wege freigehalten. Bereits im kommenden Jahr soll damit begonnen werden: Durch Überalterung oder Stürme gefälltes Totholz wird nicht entsorgt, sondern bietet Lebensraum für Pilze, Flechten oder auch den Schwarzspecht. Im Wald sollen schrittweise neue Wasserflächen entstehen, weil die Entwässerung zurückgebaut wird. Voigt: "Dadurch wird die Wasserrückhaltefunktion des Waldes deutlich verbessert und die Abwasserkanäle der Stadt bei Starkregenfällen entlastet."

Schon jetzt ist der Wald durch seinen hohen Anteil an Buchen (48,7 Prozent) und Eichen (22,1 Prozent) sehr wertvoll. Fast die Hälfte aller Bäume ist älter als 100 Jahre, einige sind mehr als 160 Jahre alt. Auch Siebenstern und Blaubeere kommen noch häufig vor, ebenso wie Wespebussard, Uhu, Fledermäuse und Mittelspecht, von dem ein Fünftel des Landesbestandes im Forst heimisch ist.

Der Rülauer Forst ist nicht die einzige stiftungseigene Fläche in der Region: An der Schwarzen Au in Höhe Radekamp sowie an der Bahnlinie südlich von Grabau und in der Delvenau-Stecknitz-Niederung besitzt die Stiftung Flächen. Seit 2002 ist der Stodthagener Wald nördlich von Kiel aus der Bewirtschaftung genommen, auch der Höltigbaum bei Stapelfeld wird von der Stiftung als Weidelandschaft gepflegt.

In Schwarzenbek will die Stiftung einen "Runden Tisch Waldwirtschaft" gründen und mit Bürgern, Initiativen, Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten. "Niemand muss sich fürchten, bestehende Verträge werden von uns eingehalten", beruhigt Voigt, denn auch der Kleingartenverein Waldfrieden und das Ehrenmal liegen innerhalb des Waldgebietes.

Auf der Einwohnerversammlung am Donnerstag, 13. November, wird die Stiftung die Pläne im Detail vorstellen. Die Veranstaltung im Festsaal des Rathauses beginnt um 20 Uhr.