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Lauenburg fällt bei Fahrradfahrern voll durch

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Elke Richel
Lauenburg schneidet beim Fahrradklimatest noch schlechter ab als beim letzten Mal. Vor allem entlang der B 5 kommen sich schwere Laster, Pkw, Radfahrer und Fußgänger gefährlich nah

Lauenburg schneidet beim Fahrradklimatest noch schlechter ab als beim letzten Mal. Vor allem entlang der B 5 kommen sich schwere Laster, Pkw, Radfahrer und Fußgänger gefährlich nah

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Beim Radfahrklimatest landet die Stadt auf einem der letzten Plätze. Dabei wird seit 11 Jahren über ein Konzept diskutiert.

Lauenburg. Schlechter geht es kaum: Beim aktuellen Radfahrklimatest landete Lauenburg in der entsprechenden Größenkategorie bundesweit auf Platz 402. Insgesamt 418 Kommunen hatten teilgenommen. In Schulnoten ausgedrückt: Die Teilnehmer an der Umfrage haben der Stadt eine 4,46 ins Zeugnis geschrieben, gegenüber 2018 verschlechtert in allen Kategorien. Das einzig Positive: Mit 91 Teilnehmern – 71 waren es 2018 – ist das Interesse der Lauenburger Radler an der Umfrage gewachsen.

Alle zwei Jahre haben Radfahrer bundesweit die Möglichkeit, in einem Test des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) das Fahrradklima in der eigenen Stadt zu bewerten. In der Umfrage geht es unter anderem um Fragen wie: Macht das Radfahren Spaß oder ist es eher Stress? Sind Radwege vorhanden und auch breit genug? Kommt man mit dem Rad sicher ans Ziel? Gibt es ausreichend Fahrradabstellplätze? Sind Verbesserungen im Radverkehr erreicht worden? Der Test wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Wege für Radfahrer unsicher und viel zu schmal

Aber nicht in allen Kategorien belegt Lauenburg einen hinteren Platz. Immerhin sind die meisten Teilnehmer der Meinung, dass in Lauenburg das Interesse am Fahrradfahren bei allen Altersgruppen groß oder zumindest ausgeprägt ist. Einigermaßen kommt die Stadt auch bei der Frage weg, ob es genügend sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt.

Dagegen sind sich die Befragten nahezu einig, wenn es um die Sicherheit der Fahrradfahrer in Lauenburg geht. Bei der Frage, ob die Radwege ausreichend breit sind, vergeben 52 Prozent der Befragten eine glatte Sechs. Eine neue Frage in diesem Jahr: Wurden Radfahrern während der Corona-Zeit handfeste Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit gegeben? Hier fällt das Ergebnis noch schlechter aus: 70 Prozent der Befragten vergaben die Schulnote sechs.

Deutliche Kritik an Lauenburger Ergebnissen des Fahrradklimatests

„Dieses schlechte Ergebnis ist aus unserer Sicht nicht verwunderlich. Schon 2018 hat Lauenburg mit einer Note von 4,4 abgeschlossen. Und seitdem ist kaum etwas passiert“, kritisiert der Sprecher der ADFC-Ortsgruppe, Peter Junge. Da es nur wenige Radwege und Schutzstreifen in Lauenburg gebe, würden die Konflikte auf den Fußwegen immer größer. „Seit Anfang 2018 wird über die Schutzstreifenlösung an der Bundesstraße 5 beraten. Lösungen sind ausgearbeitet. Bis heute gibt es keinen Beschluss zur Umsetzung“, bemängelt Junge.

Insbesondere die SPD hatte sich immer wieder für ein Radverkehrskonzept ins Zeug gelegt. Umso deutlicher fällt die Kritik der Genossen an den Ergebnissen des aktuellen Radfahrklimatests aus: „Die Stadt verharrt auf einem miserablen Niveau. Dabei hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig das Fahrrad für viele Menschen ist“, sagt Immo Braune, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Bei künftigen größeren Bauvorhaben der Stadt müsse auch der Radverkehr bedacht werden. „Es ist doch bedenklich, wenn bei einem großen Wohnungsbauprojekt an der Berliner Straße zwar jeder einzelne Parkplatz benannt wird, aber nicht ein einziger Fahrradbügel“, sagt er.

Seit 2009 wird über Lauenburger Radverkehrskonzept diskutiert

Seit Jahren gibt es einen Entwurf für ein Radverkehrskonzept in Lauenburg. Der SPD-Stadtvertreter André Peylo sieht die darin vorgesehenen Schutzstreifen entlang der B 5 skeptisch. „Besser als nichts, aber sie erwecken nur den Eindruck von mehr Sicherheit und Platz für das Fahrrad. Außerdem sollen sie nur auf einer Seite aufgebracht werden. Auf der anderen Seite ist man dann sich selbst überlassen“, beschreibt er das Dilemma. Aus seiner Sicht kann nur eine Ortsumfahrung das Problem wirklich entschärfen.

Das letzte Wort zum Konzept hat die untere Straßenbehörde des Kreises. Die hat mittlerweile ihre Standpunkte zu Papier gebracht. „Wir werden im Mai im Bauausschuss darüber beraten“, sagt Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Der Entwurf ist dann genau elf Jahre alt.

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