Lauenburg

Ein "harter Hund" mit eigener Halle

Heinrich Osterwold: Turnvater und LSV-Vereinsgründer

Sein Name ist untrennbar mit dem Turnen und mit der Lauenburger SV verbunden. Nicht nur, dass Heinrich Osterwold selbst ausgezeichnet an Reck und Ringen agierte: Der Mann schaffte es, viele Mitbürger für seinen Sport zu begeistern. Und dies an einem Ort, der später sogar nach ihm benannt wurde.

Für den heutigen Vorsitzenden des Heimatbund und Geschichtsvereins im Ortsverein Lauenburg, Horst Eggert, war die Turn-Ikone zunächst gar nicht so allgegenwärtig. Eggert, seit dem sechsten Lebensjahr Geräteturner, wurde als Jugendlicher von Martin Boysen angeleitet. "Heinrich Osterwold war eher für die Mädchen verantwortlich", entsinnt sich Eggert.

Als Übungsleiter verdiente sich Osterwold den Ruf als "harter Hund". Ein Verfechter der unzweideutigen Turnersprache mit klaren Kommandos. Manche Mutter beschwerte sich über ihn, doch der Trainer bestand nun mal auf strikte Einhaltung der Riegenordnung, und es gefiel ihm gar nicht, wenn Kinder während der Übungseinheiten wild umhersprangen.

Doch das Training war längst nicht alles, was der am 9. Januar 1903 geborene Osterwold, der sich politisch bei der SPD engagierte, für seinen Verein tat. Jene LSV, die er im Jahre 1946 mitgründete.

Zur schönen Tradition in den Nachkriegsjahren avancierte das im Sommer in den Buchhorster Bergen von ihm organisierte Turnfest vor Publikum. In diese Schau investierte der bei der Hitzler-Werft als Maschinenbauobermeister arbeitende Osterwold reichlich Energie, baute gemeinsam mit einem Lehrling diverse Turngeräte aus Metall für die Freilichtbühne in natürlicher Kulisse.

Osterwolds nachhaltigstes Projekt indes steht an der Elbstraße: die später nach ihm benannte Heinrich-Osterwold-Turnhalle. Das Gebäude in Hafennähe fungierte zunächst als Saal des früheren Bahnhofshotels und war jahrelang als "Schrubber" bekannt. Eine Lokalität, in der die Schiffer gern feierten, Tanzabende und die Schipperhöge begingen.

Osterwold jedoch fasste die Halle schnell ins Auge. Die LSV kaufte das Objekt im Gründungsjahr. Die Kriegsschäden und die vorübergehende Nutzung als Gefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs machten eine Restaurierung unumgänglich, sodass die Turner erst am 1. Oktober 1950 - dem Tag der Einweihung - über die Trainingshalle verfügen konnten.

Im Jahre 1972 gab Osterwold wegen Krankheit seinen Posten als Oberturnwart ab. Horst Eggert wurde sein Nachfolger. "Er hatte eine raue Schale, ließ sich nicht verbiegen, besaß aber ein gutes Herz", sagt Eggert heute über Osterwold, der noch im Jahr seines Rückzugs im Alter von 69 Jahren am 5. Juni 1972 starb.

Es ist nicht zuletzt dem heute 80 Jahre alten Eggert zu verdanken, dass "Turnvater" Heinrich Osterwold noch im Sterbejahr ein würdiges "Denkmal" erhielt. So wurde aus dem ehemaligen "Schrubber" die Heinrich-Osterwold-Turnhalle.

Die heute offizielle Bezeichnung als Heinrich-Osterwold-Halle ist erst seit sechs Jahren existent. 2009 stand dies zur Diskussion: Die Verwaltung hatte die Alte Turnhalle frisch renoviert und favorisierte für das in dem Gebäude neu geschaffene Kulturzentrum den Titel "Elbsalon" beziehungsweise "Elsa". "Da habe ich interveniert", erinnert sich Eggert heute.

Er sammelte im Verein und in der Stadt 200 Unterschriften gegen die Namensänderung, was in der Konsequenz reichte. Und zwar für alle Zeiten, wie Horst Eggert bekräftigt: "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die Halle mal anders heißen sollte."