Energiewende

Bürger an Windkraft beteiligen

Lauenburg/Lütau. (pas). Sind Bürgerwindparks die Lösung, um Windenergie im Kreis Herzogtum Lauenburg zu mehr Akzeptanz zu verhelfen?

"Ja", sagt Ulla Meixner. Die Vorstandsvorsitzende des Vereins "windcomm schleswig-holstein e. V." war am Sonnabend als Referentin zum SPD-Kreisparteitag im Gasthof Basedau in Lütau geladen. Die Energiewende war das zentrale Thema des Treffens. Ulla Meixner stellte das Konzept der Bürgerwindparks vor, das sich in Nordfriesland schon bewährt habe. Wenn Bürger sich beispielsweise mit einer Investition von 1000 Euro an so einem Windpark beteiligen und dann vom Gewinn etwas abbekommen, führt das nach Meixners Erfahrung zu weniger Skepsis, was Schlagschatten und die Geräusche der Mühlen angeht, und zu mehr Identifikation mit dem Windpark vor der Haustür.

Aktuell ist es nämlich immer noch mit viel Überzeugungsarbeit verbunden, wenn es darum geht, im Kreis neue Windenergieanlagen aufzustellen. Das machte Markus Prang, Geschäftsführer der Stadtwerke Geesthacht, in der Podiumsdiskussion nach Meixners Referat klar. "Die Bürgermeister fürchten oft einen Sturm der Entrüstung", so Prang. Und so kommt es wohl, dass der Kreis Herzogtum Lauenburg im Vergleich zu anderen Kreisen in Sachen regenerativer Energien noch immer hinterherhinkt: Hier stehen nur 47 Windkraftanlagen, während es in Nordfriesland 627 und in Dithmarschen sogar 821 sind. Dass sich Windkraft tatsächlich für den Geldbeutel lohnen kann, belegte Ulla Meixner in ihrem Referat mit einer Zahl: So liegt das Gewerbesteueraufkommen aus Windkraft in Nordfriesland bei über 12 Millionen Euro.

Neben der mangelnden Akzeptanz gibt es ein weiteres Problem: Im Kreis gibt es wenig Flächen für den Bau von Windkraftanlagen. "Oft können Kommunen nichts machen, weil große Unternehmen für Flächen langfristige Verträge geschlossen haben", sagte Jens Meyer vom SPD Ortsverein Lauenburg. Ulla Meixner regte an, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen. "Dann kann man ein Unternehmen vielleicht dazu bewegen, dort einen Bürgerwindpark entstehen zu lassen."

"Schleswig-Holstein muss sich seine Vorreiterrolle in Sachen Windenergie zurückholen", appellierte Meixner. Nachdem das Land jahrelang Pionier auf diesem Gebiet gewesen sei, habe es diesen Vorteil inzwischen an andere Bundesländer verloren. Windenergie sieht Ulla Meixner als Treiber der Energiewende, "weil sie die preiswerteste Möglichkeit ist, erneuerbare Energien zu produzieren." Nicht zuletzt sei Windenergie auch ein wichtiger Arbeitgeber. Immerhin arbeiteten in Schleswig-Holstein 7000 Menschen in diesem Bereich.

Vor einem drohenden Fachkräftemangel in Sachen erneuerbare Energien warnte Nicole Knudsen vom Bundesverband Windenergie während der Podiumsdiskussion: "Wir müssen dem mit Fortbildung, Studiengängen und Ausbildung entgegenwirken." Und Bernd Bartels, Geschäftsführer der BeBa Energie, sprach sich dafür aus, das naturwissenschaftliche Interesse von Kindern schon in den Kitas zu fördern.

Thema war auch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Während sich Ulla Meixner dafür aussprach, das EEG unangetastet zu lassen, damit die Unternehmen Planungssicherheit haben, war Markus Prang anderer Ansicht. "Die Zeit hat das EEG überholt", sagte er. Man müsse das Gesetz den aktuellen Gegebenheiten anpassen.