Oldtimer

230.000 Euro aus Berlin - "Kaiser Wilhelm" ist gerettet

Foto: Timo Jann / Jann

Berlin / Lauenburg. Gute Nachricht aus Berlin: Für Lauenburgs historischen Raddampfer "Kaiser Wilhelm" stehen 230.000 Euro Fördergelder bereit. Damit können die dringend notwendigen Reparaturen an dem 112 Jahre alten Oldtimer durchgeführt werden.

Gestern Abend wurde der Raddampfer als Einzelposition in den Haushalt des Bundes für das kommende Jahr aufgenommen. Für das Traditionsschiff bedeutet das: Es stehen nun bis zu 230.000 Euro Fördergelder bereit, die dringend benötigt werden, damit das 112 Jahre alte Schiff 2013 in seine nächste Saison auf der Elbe starten kann. Ohne diesen Zuschuss hätte es kaum noch eine Rettung für das schwimmende Denkmal gegeben.

Bei Wilhelm Bischoff, dem Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums, der den Raddampfer vor mehr als 40 Jahren vor der Verschrottung bewahrte und ihn seither betreibt, machte sich dennoch keine rechte Freude breit. „Ich rede erst über Geld, wenn ich es habe“, sagte er.

Zu groß war die Enttäuschung, als die FDP-Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan aus Bäk vor wenigen Wochen durch die zu frühe Verkündung einer Einigung im Kreis-Innenausschuss eine alternative Finanzierung scheitern ließ, nur weil die FDP das Projekt als ihren Erfolg feiern wollte.

Tatsache ist nach der Sitzung des Haushaltsausschusses gestern Abend jedoch, dass der „Kaiser Wilhelm“ nun als einzelne Maßnahme im Haushaltsgesetz festgeschrieben ist. Vermutlich im März 2013 soll der Förderbescheid über die Gelder des Bundes ausgereicht werden. „Damit ist sichergestellt, dass der ‚Kaiser Wilhelm’ saniert werden kann“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann aus Lauenburg unserer Zeitung . Er arbeitete in dem wichtigen Gremium der Bundesregierung mit.

Mit den Fördergeldern kann das Denkmal weiter schwimmen

Wer in den vergangenen Monaten den Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ betreten hat, der hat es an vielen Ecken gesehen: An Bord des 112 Jahre alten Schiffes herrscht großer Sanierungsbedarf. Besonders gravierend erscheinen die Radkästen und das Deck. Nur mit Mühe und Not konnte der „Kaiser“ in diesem Jahr zu einigen Fahrten auf der Elbe ablegen. An einen regulären Fahrplan war diese Saison nicht zu denken.

2013 soll es nun besser laufen. Gestern Abend gab der Haushaltsausschuss des Bundestags in Berlin grünes Licht für die Bereitstellung von Fördergeldern bis zur Höhe von 230.000 Euro zur Sanierung des schwimmenden Denkmals. „Da ist uns etwas richtig Gutes gelungen“, sagte Norbert Brackmann. Der Lauenburger arbeitet für die CDU-Fraktion im Haushaltsausschuss mit. „Was wir entwickelt haben, ist ein Unikat für Lauenburg. Erstmals in der Geschichte der Republik wird eine einzelne Maßnahme konkret im Haushaltsgesetz verankert“, berichtete Brackmann.

Im Klartext: Den Bundeszuschuss kann dem Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums, der den „Kaiser Wilhelm“ seit mehr als 40 Jahren ununterbrochen auf der Elbe fahren lässt, niemand mehr nehmen. Statt in einem allgemeinen Fördertopf hat das Schiff seine eigene Haushaltsstelle erhalten. „Hinter den Kulissen war es extrem schwierig, diesen Weg zu gehen“, sagte Brackmann. Doch seine Bemühungen haben sich ausgezahlt.

Unklar ist allerdings, wann genau das Geld tatsächlich fließen wird. Voraussichtlich erst im März 2013. Außerdem wird der Verein einen Eigenanteil in Höhe von zehn Prozent der Fördersumme aufbringen müssen. Große Freude kam bei Wilhelm Bischoff, dem Geschäftsführer des Museumsvereins, gestern aber trotz der guten Nachricht nicht auf, als er durch unsere Zeitung davon erfuhr. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, bat er um Verständnis, sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret äußern zu können.

Werner Büker, Prokurist der Lauenburger Hitzler-Werft, wird sich das Schiff in der kommenden Woche im Winterquartier im Hafen von Bleckede ansehen. „Dann kann man, weil einige Stellen an Deck jetzt von der Besatzung freigelegt wurden, auch konkret sagen, was mit welcher Priorität saniert werden muss“, sagte er. Zu den Arbeiten müsste der in Dresden gebaute Raddampfer dann im Frühjahr nach Lauenburg geschleppt werden.

Auf jeden Fall wartet in den kommenden Monaten auf die ehrenamtliche Crew des Schiffes und die Arbeiter der Hitzler-Werft jede Menge Arbeit. Wann der „Kaiser Wilhelm“ dann 2013 tatsächlich in seine nächste Saison starten kann, lässt sich noch nicht absehen.