"Lauenburgische Heimat"

Respekt, Toleranz und nichts als Flausen im Kopf

Lauenburg. Wie erzieht man Ordnungsmuffel? Machen Strafarbeiten Sinn? Und wird aus einem Sitzenbleiber gar ein Musterschüler? Über das richtige Erziehungskonzept streiten sich die Geister.

Pädagoge Heinz Hoffmann gibt darauf auch keine Antworten, stellt aber einige der heutigen Erziehungsmethoden infrage. Der Leiter der Albinus-Gemeinschaftsschule erinnert sich einem Beitrag in der neuesten Ausgabe der "Lauenburgischen Heimat" an seine Zeit im Alumnat der Lauenburgischen Gelehrtenschule zwischen 1962 und 1970 und zieht Vergleiche.

"Ja, ich war ein fauler Schüler"

Als der 12-jährige Heinz das Schülerheim in Ratzeburg bezog, führten dort ein Oberstudienrat und seine Frau ein strenges Regiment: Verstöße gegen die Hausregeln wurden mit Strafarbeiten geahndet und einen Schüler mit einer "Fünf" nahm sich Herr Oberstudienrat höchstpersönlich vor. In diesen fragwürdigen Genuss kam der Schüler Heinz häufig. "Dies ist ein weiterer Beweis für deine bodenlose Faulheit, die dir auch im Mündlichen schon viele schlechte Zensuren eingebracht hat" - Einträge wie diese standen nicht selten unter den Klassenarbeiten, besonders in Deutsch und Latein.

"Ja, ich war ein fauler Schüler" sagt Heinz Hoffmann über sich selbst und ist noch heute seinen Lehrern dankbar, dass sie ihn damals nicht versetzten. "Ich wiederholte also die Quarta, wachte auf und hatte schulisch nie wieder Probleme. Mein Mangelfach Deutsch habe ich später sogar studiert - soviel zum Unwert des Sitzenbleibens!", schreibt er in seinen Erinnerungen.

Nichts als Flausen im Kopf

Wie gewöhnt man Frau Oberstudienrätin ab, die Briefe der Schüler zu lesen? Mit einem Test. "Mit Mädchenhandschrift adressierten wir einen Brief an einen beim weiblichen Geschlecht beliebten Almunen und drückten einen Kussmund auf die Briefrückseite. Sie muss den Brief gelesen haben, denn sie war in den nächsten Tagen bitterböse." Und was stand in dem Brief? "Dann soll die blöde Ziege endlich mal was zum Lesen bekommen..."

Doch Frau Oberstudienrätin hatte eine besondere Art der "Rache": Bei Wind und Wetter schickte sie die Knaben an die frische Luft. Zwangswanderungen waren an jedem Wochenende angesagt - mindestens vier Stunden lang und immer über zehn Kilometer weit. Heute sieht Heinz Hoffmann diese regelmäßigen Touren anders: "Man kam auf keine dummen Gedanken und fiel abends todmüde ins Bett" Und an dieser Stelle stellt der Pädagoge eine Frage: "Welche Eltern nehmen sich heute noch die Zeit, das mit ihren Kindern zu unternehmen - und zwar ganz regelmäßig?"

Die Zeit der Aufmüpfigkeit

Die Jugendrevolte des Jahres 1968 erreichte das Alumnat in Ratzeburg zwar nicht, aber Heinz und seine Freunde probten doch dann und wann den Aufstand. Rauchen, Bier, Musik und Mädchen - das waren plötzlich wichtigere Themen, als die Schule. Und man muss schon zweimal hinschauen, um in dem jungen Mann auf dem Foto mit dem Zipfelbart und den selbst zurecht geschnippelten Haaren den heutigen Schulrektor zu erkennen. "Mein damaliges Outfit lässt mich als Schulleiter Verständnis für Vieles haben", sagt Heinz Hoffmann und wünscht sich für seine Schüler heute "die Toleranz, die man damals mit mir hatte."

Die "Lauenburgischen Heimat", Heft 191, gibt es zum Preis von 12,50 Euro in der Buchhandlung Rusch und beim Büroservice Heike Maurer.