Weihnachtsmarkt

Abschied vom Flair der Altstadt

Lauenburg. Lauenburg verabschiedet sich von einer Traditionsveranstaltung im gewohnten Ambiente: Der 42. Weihnachtsmarkt der Wirtschaftlichen Vereinigung (WVL) soll nicht mehr in der Altstadt, sondern auf dem Amtsplatz vor dem Schloss aufgebaut werden.

Die Entscheidung fiel in einer turnusmäßigen Vorstandssitzung, in der, so WVL-Vorsitzender Heino Kruse, Bürgermeister Andreas Thiede das Gespräch auf dieses Thema lenkte und eine Abstimmung anregte. Das Ergebnis: Von den 12 Vorstandsmitgliedern stimmten zehn für den Thiede-Vorschlag, nur Kruse und Brigitte Refflinghaus enthielten sich der Stimme.

Kruse, hörbar verärgert über den Beschluss des Gremiums, hofft jetzt auf einen Aufschrei aus der Bevölkerung, um den Vorstandsbeschluss noch kippen zu können: "Die Altstadt bietet ein einmaliges Ambiente, das uns bisher wohltuend von Weihnachtsmärkten in anderen Städten unterschieden und jedes Jahr Tausende Besucher in unsere Stadt gelockt hat. Komprimiert fanden sie an diesem Standort die unvergleichliche Kulisse, Musik und die Möglichkeit zur Andacht in der Kirche, Kneipen zum Aufwärmen und die Angebote der ansässigen Kunsthandwerker. Das kann der Schlossplatz nicht bieten", wirbt er zunächst um Unterstützung des WVL-Arbeitskreises "Weihnachtsmarkt", der am 1. August tagt.

Andreas Thiede sieht den Umzug dagegen nicht als Konflikt, sondern als Möglichkeit, die Traditionsveranstaltung aufzuwerten: "In den vergangenen Jahren ist die Unzufriedenheit über das Angebot gewachsen. Die WVL hat mit dem neuen Standort die Möglichkeit, den Markt anders zu organisieren." Schließlich gehöre auch das Schloss zum Altstadt-Ensemble und der historische Teil Lauenburgs müsse beim Festvergnügen nicht zwingend ausgespart werden. Thiedes Vorschlag: ein Shuttle-Service mit Kutschen.

In der Altstadt regt sich Widerstand: "Das riecht nach einem Alleingang des Bürgermeisters", beklagt Töpferin Karin Scherling, dass Thiede vor seinem Vorstoß nicht das Gespräch mit den verbliebenen Gewerbetreibenden gesucht habe. "Das ist ein Bruch mit der Tradition. Die Besucher werden das Ambiente vermissen", sagt Gastwirt Sönke Ellerbrock. Die sowohl von Kruse als auch Thiede bestätigten hohen Stromkosten, die die Standgelder in die Höhe treiben würden, könnten gemildert werden, "wenn die Versorgungsbetriebe die Einmaligkeit dieser werbewirksamen Veranstaltung erkennen und als Sponsor auftreten würden". Befürchtungen auch bei Anwohnerin Nancy Matthews: "Wenn der Weihnachtsmarkt aus der Altstadt abgezogen wird, kann Lauenburg nur noch eine 08/15-Veranstaltung wie in anderen Städten bieten."