Verdacht

Wurde um 1970 radioaktives Kühlwasser verrieselt?

Foto: Timo Jann / Jann

Büchen. In den rätselhaften Strahlen-Fall im Naturschutzgebiet "Nüssauer Heide" schalten sich nun Politiker aus dem Lauenburgischen ein. Allen voran fordern die Grünen eine konsequente Aufklärung und die Offenlegung der Messwerte.

„Nach Ansicht unserer Kreistagsfraktion ist es nicht hilfreich, einfach so zu tun, als würde hier ein Messfehler vorliegen oder hätten Mitarbeiter der Feuerwehr leichtfertig unsichere Ergebnisse weitergegeben“, so Klaus Tormählen von den Grünen. Dazu sagt Burkhard Peters von der Kreistagsfraktion der Grünen: „Für uns ist es nicht schlüssig, von Fehlalarm und Entwarnung zu sprechen. Wir haben die Landtagsfraktion der Grünen gebeten, die gemessenen Werte bei der Landesregierung zu erfragen. Außerdem werden wir über den Kreistag einen ausführlichen Bericht verlangen“, sagt er. Um mögliche Schäden von der Bevölkerung abzuwenden, fordern die Grünen zusätzlich, die Ursachen und eine mögliche Strahlenquelle herauszufinden.

Peters meint, begründeten Verdacht zu haben, dass in der Vergangenheit in der Region mit radioaktivem Material zu leichtfertig umgegangen wurde. „Uns liegt eine schriftliche Erklärung von einem Bürger vor, in der er seine Erinnerungen an ein Gespräch mit einem Mitarbeiter aus dem GKSS-Forschungszentrum aus der Zeit kurz nach 1980 zusammenfasst. Dieser hätte ihm berichtet, dass Kühlwasser aus dem Versuchsreaktor des GKSS auf bundeseigenen Truppenübungsflächen, aber auch von Bauern in der Umgebung verrieselt worden sein soll. Weiterhin sei in den Geschäftsberichten des GKSS aus den Jahren 1971/72 zu lesen, dass ein Teil des Kühlwassers so kontaminiert gewesen sei, dass man es nicht wie üblich und wie genehmigt in die Elbe habe ablassen können. Zumindest gehe aus den GKSS-Berichten hervor, dass in den 70ern zu hoch belastetes Kühlwasser in Tankwagen abtransportiert worden sei. Atomrechtlich hätten diese Transporte schon damals dokumentiert werden müssen“, so Peters.

Die Landtagsabgeordneten Olaf Schulze (SPD, Geesthacht) und Markus Matthießen (CDU, Lauenburg) gehen ganz unterschiedlich mit dem Thema um. „Ich habe mit dem zuständigen Minister gesprochen, der hat mir erklärt, dass da keine Feststellung getroffen wurde. Daher ist das Thema für mich erledigt“, sagte Matthießen am Freitag. Schulze kündigte an, Kontakt zur Atomaufsicht aufzunehmen. „Eine Antwort auf eine kleine Anfrage werden wir aber wohl vor der Wahl am nächsten Wochenende nicht bekommen, dafür haben die Abteilungen zwei Wochen Zeit“, erklärte Schulze.

Unterdessen ließen die Feuerwehrleute des „Löschzug Gefahrgut“, die mit einem ihrer Erkundungsfahrzeuge vor einer Woche erstmals Radioaktivität festgestellt hatten, bei einer erneuten Übung ihr Spezialfahrzeug in der Garage.