Dorfspaziergang: Wangelau

Manchmal siegt die Reiselust

Wangelau (pas). Die Wangelauer sind, wenn man Bürgermeister Hardi Teichler glauben darf, ein reiselustiges Völkchen.

"Da denkt man, man ist vor ihnen in Sicherheit - und schon kommt wieder einer vorbei", erzählt Teichler beim Dorfspaziergang, zu dem sich an diesem diesigem Nachmittag zehn Ortsbewohner am Sprüttenhus eingefunden haben. "Das ist wirklich schlimm", bestätigt Edith Reimann die Erfahrungen des Bürgermeisters. "Während meiner Kur in Bad Wildungen habe ich gleich zwei Wangelauer wiedergetroffen." Karin Marbs traf sogar einen Nachbarn im Griechenland-Urlaub.

Reiselustige lassen es sich aber auch zu Hause gerne gut gehen. Und deshalb kann sich das "Sprüttenhus" auch von innen sehen lassen. Die Gemeinde hat die alte Durchfahrtsscheune einst von einem Landwirt gekauft und zu einem großen Saal ausgebaut. Und so finden alle wichtigen Feste der Gemeinde hier statt. Hier treffen sich auch die "Plattsnackers" und der Chor. "Kontraste" heißt der, "weil wir ein so kontrastreiches Programm haben", erzählt die Vorsitzende des Chores, Sabine Zitzer. Von Volksmusik bis zu Evergreens singen die 25 Mitglieder so gut wie alles.

Vom "Sprüttenhus" laufen die Spaziergänger über die Dorfstraße. An der "Alten Schmiede" stoppen sie: "Vor etwa zehn Jahren hat unsere Gemeinde die Schmiede mit Hilfe der Struktur- und Entwicklungsanlayse (LSE) ausgebaut. Heute vermieten wir das Gebäude und es wird als Begegnungs- und Seminarstätte genutzt", erzählt Teichler. Weiter geht's, vorbei an der alten Schule, die bis 1967 betrieben wurde und in der heute Mietwohnungen sind. "Früher war hier die Elisabeth-Kapelle mit einem Friedhof, die Reste davon sieht man dort", erzählt Teichler und zeigt auf die Feldsteinmauer vor dem Gebäude.

Dann stehen die Dorfspaziergänger vor einem riesigen Reetdachhaus. "Das ist vor über 250 Jahren erbaut worden und unser ältestes Haus", sagt Hardi Teichler.

Karin Marbs fällt auch gleich ein "Döntje" zu dem Haus ein: "In den fünfziger Jahren soll hier ein Zahnarzt drinnen gewohnt haben", sagt sie. Der war anscheinend nicht zimperlich. Denn, wie Karin Marbs erzählt, eines schönen Tages soll er einem Holzhacker, der gerne mal einen über den Durst trank, einen Knopf auf den Bauch genäht haben.

Edith Reimann macht dann noch auf eine Besonderheit aufmerksam. "Wir haben sogar einen ZOB", erzählt sie und zeigt schmunzelnd auf die Haltestelle in der Ortsmitte und fügt hinzu: "Von hier aus fahren Busse in alle Welt." Und das ist natürlich wichtig für so ein reiselustiges Völkchen, wie die Wangelauer.