WFL-Bilanz

Lauenburg – das ungeliebte Stiefkind?

Foto: WFL

Lauenburg. Die Bilanz der Wirtschaftsförderungsgesellschaft klingt erst einmal gut - 770 neue Jobs und mehr als 47 Millionen Euro an Investitionen. Doch die SPD drängt erneut auf stadtbezogene Aussagen: Welche Unternehmen planen, in Lauenburg Fuß zu fassen?

770 neue Arbeitsplätze und Investitionen in Höhe von mehr als 47 Millionen Euro – so sieht die Bilanz der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WFL) für das vergangene Jahr aus. Doch bekam auch Lauenburg ein Stück vom großen Kuchen ab? SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Dittmer will das genau wissen, hält er doch diese pauschale Erfolgsmeldung für zu „schwammig“.

Schon vergangenes Jahr hatte er eine ähnliche Anfrage gestellt und erfahren, dass die WFL aus Datenschutzgründen keine Auskunft darüber erteile, welche Unternehmen in Lauenburg Fuß fassten oder zumindest ernsthaft ein Investment planen. Unverständlich für Dittmer: „Jedes Unternehmen wirbt doch gern damit, wenn expandiert oder ein neues Standbein entwickelt wird.“ Er vermutet hinter der geringen Auskunftsbereitschaft, dass die Stadt von der WFL gegenüber anderen Standorten stiefmütterlich behandelt wird.

In Lauenburg gebe es überhaupt keine erschlossenen Gewerbeflächen, hält WFL-Chef Werner Hesse auf Nachfrage unserer Zeitung dagegen. Er rät, „bei der Stadtverwaltung zu erfragen, welche Ressourcen in der Stadt vorhanden sind, die möglichen Investoren zur kurzfristigen Realisierung von Projekten angeboten werden können.“

Bürgermeister Andreas Thiede bestätigt, dass das Gewerbegebiet nördlich von Famila lediglich rein planerisch existiert und sich die Flächen außerdem nach wie vor in privater Hand befinden. Der Verwaltungschef sieht in der schlechten Ausgangslage für neue Gewerbeansiedlungen auch Versäumnisse vor seiner Amtszeit: „Gezielte Wirtschaftsförderung ist bisher in der Stadt nicht betrieben worden.“

Dittmers Kritik am mangelnden Bemühen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft teilt Thiede nicht: „Wir sind in gutem Kontakt mit der WFL, und es gibt auch Überlegungen, in Lauenburg geeignete Gewerbeflächen zu entwickeln.“ Konkreter wird er allerdings nicht: „Im Moment ist das alles noch nicht ganz spruchreif“, so die Begründung seiner Zurückhaltung.

Bernd Dittmer hat dagegen ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie die WFL in Lauenburg ihr Engagement für die Stadt unter Beweis stellen könnte: „Wenn die Standortbedingungen hier so problematisch sind, sollte sich Hesse mit Politik und Verwaltung regelmäßig an einen Tisch setzten, damit wir besprechen können, wie wir die Kuh vom Eis kriegen“. Dittmer denkt, dass dann auch alle Fakten auf den Tisch kommen könnten. „So auf Augenhöhe dürften ja Datenschutzgründe keine Rolle spielen.“