Binnenschifffahrt

Wirtschaft verschmäht den Kanal

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Elke Richel

Lauenburg. Taucht der Elbe-Lübeck-Kanal bald nur noch auf den Hochglanzseiten von Touristenführern auf? Wie berichtet, droht der 62 Kilometer langen Wasserstraße im Bundesverkehrswegeplan 2015 die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit, weil vom geforderten Frachtaufkommen von fünf Millionen Tonnen im Jahr zur Zeit gerade mal 800 000 erreicht werden.

Dabei kann die deutsche Binnenschifffahrt insgesamt auf Zuwächse in Rekordhöhe verweisen: Das Transportaufkommen auf den Wasserstraßen stieg im Jahre 2010 um rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt.

Ein Hauptgrund für das rückläufige Transportvolumen auf dem Elbe-Lübeck-Kanal liege darin, dass moderne Schiffe diesen wegen der meist zu geringen Durchfahrtshöhe der sieben Schleusen und 24 Brücken gar nicht erst befahren könnten, so die Argumentation der IHK Lübeck für einen zukunftsorientierten Ausbau.

Dieses Problem hat Binnenschiffer Jörg Borchart aus Lauenburg nicht. Seine "Borsingwalde" gehört mit 70 Metern Länge und acht Metern Breite zu den Schiffen, die eigentlich ohne Schwierigkeiten den Kanal passieren könnten. Doch obwohl er gern wollte, ist auf dem Elbe-Lübeck-Kanal nur selten unterwegs. "Es mangelt an entsprechenden Aufträgen. Das liegt vor allem daran, dass es für Unternehmen noch nicht attraktiv genug ist, den Wasserweg, statt die Straße oder die Schiene für ihr Transportgeschäft zu wählen." So muss der Lauenburger Schiffeigner im Moment froh sein, überhaupt Aufträge zu ergattern. Gestern schipperte er über den Mittellandkanal Kohle aus Hamburg zu einem Kraftwerk in Berlin.

Die Zahlen sprechen ebenfalls für sich:

Nur für drei Prozent der Güter, die im Lübecker Hafen umgeschlagen werden, geht es per Schiff auf dem Elbe-Lübeck-Kanal weiter. 16 Prozent landen auf dem Schienenweg und über 80 Prozent werden auf der Straße weiter transportiert.

Trotz der offensichtlichen Zurückhaltung der Wirtschaft setzt die IHK Lübeck auf die Gründung eines Fördervereins und darauf, dass Städte mit Industriegebieten wie Lauenburg oder Mölln wichtige Impulsgeber sein könnten.

Werner Hesse, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg (WfL) ist allerdings eher skeptisch, dass die Wasserstraße für die meisten der ansässigen Unternehmen von entscheidender Bedeutung sei. Seiner Meinung nach sei der Elbe-Lübeck-Kanal eine reine Durchleitungswasserstraße. Für WfL stehe die Problematik daher zurzeit nicht auf der Tagesordnung. Trotzdem befürwortet Hesse einen Ausbau. "Man muss in größeren Dimensionen denken und eine funktionierende und breit gefächerte Verkehrsinfrastruktur kann für Unternehmen den entscheidenden Ansiedlungsreiz bieten."

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