Bürgermeister

Heuer denkt nicht an Rücktritt

Lauenburg. "Als Bürgermeister werde ich jedenfalls nicht mehr nach Kiel fahren und für Lauenburg kämpfen.

Ich will mich doch nicht auslachen lassen", drohte Bürgermeister Harald Heuer, nachdem die Stadtvertretung in ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch den Haushalt 2009 platzen ließ. SPD, Grüne und Sven Distel (FDP) lehnten das Zahlenwerk ab, die elf Stimmen von CDU und Wilhelm Bischoff (FDP) reichten nicht zur Mehrheit. Für Niclas Fischer (Grüne) kam diese Ankündigung einer Arbeitsverweigerung gleich: "Wenn Sie sich jetzt beleidigt verweigern, treten Sie zurück, Herr Heuer."

Einen Tag vor der heutigen Sondersitzung, in der der Haushalt erneut auf der Tagesordnung steht, relativierte Heuer seine Aussage: "Das war eine Spontanreaktion aus Ärger darüber, dass die Politiker die Stadt mit ihrer Ablehnung blockiert haben. So lange wir keinen Haushalt haben, können wir nur unsere Pflichtaufgaben erfüllen. Vereine, Verbände und alle anderen freiwilligen Leistungen fallen hinten runter. Wer das Ehrenamt stärken will, muss auch etwas dafür tun. Und ohne Haushalt geht das nicht", sagte er gestern. Seine Drohung sei aber durchaus eine Reaktion auf das Abstimmungsverhalten der Politik gewesen: Schon im Dezember, als es die CDU durch einen kollektiven Blackout versäumte, den Schrägaufzug durchzuwinken, "bin ich in der Ratzeburger Kreisverwaltung ausgelacht worden." Wenn jetzt die ganze Stadt durch den fehlenden Haushalt lahm gelegt werde, "brauche ich mich in den Kieler Ministerien gar nicht mehr blicken zu lassen."

Auf die Frage, ob er amtsmüde sei und sich mit Rücktrittsgedanken trage, reagierte der Bürgermeister mit einem Lachen: "Wenn das von einem einzelnen Stadtvertreter gefordert wird, denke ich erst recht nicht daran. Wenn man mich nicht mehr haben will, müssen die Bürger das sagen."

Er werde seine Pflichten als Bürgermeister erfüllen und seine Amtsgeschäfte wie gewohnt weiterführen. Am Freitag vergangener Woche sei er bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Münster gewesen, am Mittwoch folge ein Gespräch im Kieler Innenministerium, um die Planung für den Containerhafen in Bahnen zu leiten. Gestern fuhr Heuer zur Gesprächsrunde der schleswig-holsteinischen Bürgermeister in Kaltenkirchen.

Der Verwaltungschef rechnet damit, dass es in der heutigen Sitzung, die um 18 Uhr in der Mensa der Gemeinschaftsschule beginnt, eine Mehrheit für den Haushalt 2009 geben wird: "Sonst blockiert die Stadt sich selber." Und wenn nicht? "Dann fahre ich zur Kommunalaufsicht nach Ratzeburg. Im schlimmsten Fall schicken die uns einen Finanzkommissar."