Prunksitzung

Rheinischer Frohsinn an der Elbe

| Lesedauer: 3 Minuten
Timo Jann

Lauenburg. "Lauenburg - Alaaf!" hallte es in der Nacht zu gestern immer wieder durch den Saal des Mosaik. Die Narren des Schnakenbeker Carnevalsvereins von 1990 und mehr als 250 Gäste feierten ausgelassen die erste Prunksitzung der Saison am Raiffeisenweg.

Wie es sich gehört, wurde bei den Büttenreden ordentlich ausgeteilt und bei den Auftritten der Tanzmariechen viel Bein gezeigt. Karneval-Fans kommenden in nächster Zeit noch mehrfach in den Genuss, das typische rheinische Treiben auch im hohen Norden live erleben zu können.

Wie es sich für einen ordentlichen Karnevalsverein gehört, führt auch in Schnakenbek ein Prinzenpaar die Saison an: Marion I. und Ingo I. sitzen in ihren prächtigen Kleidern ganz oben auf dem Podium. Beide engagieren sich als Tänzer im Männerballett und Schneiderin schon lange im Verein. Auch Vanessa II. und Julian I., das Kinderprinzenpaar des Jahres, kommen aus Familien, die sich schon lange dem Karneval verbunden fühlen. Vom Elften Regiment und der Prinzengarde wurden sie beim Einzug in den Saal begleitet und von den Gästen mit lautem Beifall begrüßt. Viele Zuschauer hatten sich selbst verkleidet, etwa als Seeräuber oder als Teufelin.

Auf der Bühne gaben dann die verschiedenen Abteilungen des Vereins ihr Können zum Besten. Tanzmariechen Ann-Christin Busch etwa tanzte schon im zweiten Jahr ganz alleine einen tollen Auftritt auf der Bühne. Und auch die 13 Mädchen der "Tanzgarde 3" - die Jüngsten im Verein - begeisterten die Zuschauer. Vom Prinzenpaar gab es dafür die traditionellen Orden.

Während Schnakenbeks Bürgermeister Christian Pehmöller das Spektakel live verfolgte, bekam sein Lauenburger Amtskollege Harald Heuer in Abwesenheit die volle Breitseite des Schnakenbeker Dreigestirns mit. Als "Bob der Baumeister" wurden Heuer verspottet und die anstehenden Großprojekte wie Schrägaufzug und Containerterminal aufs Korn genommen. Aber auch die Quelle der Weltwirtschaftskrise machten die Narren schnell in Lauenburg aus - bei der Volksbank und deren Finanzskandal um faule Kredite. Zur Musik von " Einmal um die Welt, die Taschen voller Geld" lästerten Thomas Wolf, Gerd-Manfred Schmidt und Frank-Michael Meyer ordentlich ab. "Hier war die Keimzelle und als die Welt davon erfuhr, haben alle gedacht, das können wir auch", spielte Wolf auf die fiesen Machenschaften der Lauenburger Volksbänker an. "Aber dafür wohnen die Verantwortlichen jetzt ja auch mietfrei", frotzelte Meyer über die saftigen Urteile der Gerichte.

Uwe Lüsters veräppelte in seiner Büttenrede das deutsche Handwerk und zog über eine Studie der Universität Görlitz einen derben Vergleich mit polnischen Handwerkern. So sei der Begriff "Standort Deutschland" von den Auszubildenden des Handwerks geprägt. Die würden nämlich so wenig Bewegung zeigen, dass die Handwerkskammer ihnen schon Stützstrümpfe spendieren würde, lästerte Lüters.

Am kommenden Sonnabend können Karneval-Fans sich die zweite Prunksitzung des Schnakenbeker Vereins im Mosaik anschauen. Los geht es um 20.11 Uhr. Am 15. Februar um 13 Uhr beginnt dann in Schnakenbek der Festumzug durch das Dorf. Infos gibt es unter Telefon (0 41 53) 5 11 60.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg